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08/2022 Hornissen – friedliche Insektenjäger

Die Hornisse gehört zu den größten heimischen Insektenarten und ist die größte staatenbildende Wespenart Mitteleuropas. Durch ihre auffällige gelb-schwarze Warnzeichnung und die lauten Fluggeräusche löst sie bei vielen Menschen ein instinktives Unbehagen aus. Tatsächlich sind Hornissen friedfertige und scheue Tiere. Außerhalb ihres Nestbereichs gehen sie Konflikten aus dem Weg und stechen nur, wenn sie sich bedroht oder bedrängt fühlen.

Das Hornissenjahr beginnt in der Regel ab Ende April. Eine noch im letzten Herbst begattete Königin erwacht bei ca. 15°C aus der Überwinterungsphase. Sie macht sich dann auf die Suche nach geeigneten Nahrungs- und Nistplätzen. Während dieser Zeit sind immer wieder einzelne Tiere bei ihrer Suche zu beobachten. Aus Mangel an natürlichen Nistplätzen in unserer aufgeräumten Kulturlandschaft, drängen Hornissen zunehmend in den Siedlungsbereich und suchen dort nach geeigneten Nisthöhlen. Gerne werden Vogelnistkästen, Dachböden oder auch Rollladenkästen angenommen. Wenn ein geeigneter Platz gefunden ist, beginnt die Königin mit dem Nestbau. Sind die ersten Zellen fertig, werden sogleich Eier gelegt und die dann heranwachsenden Larven gefüttert. Um alle diese Aufgaben muss sich die Königin zunächst alleine kümmern, nur sie fliegt ein und aus. Sind die ersten Arbeiterinnen, die deutlich kleiner als die Königin sind, geschlüpft, bekommt sie Unterstützung. Sobald 5-10 Arbeiterinnen den Außendienst übernommen haben, bleibt die Königin im Nest und legt nur noch Eier. Ab jetzt ist es die Aufgabe der Arbeiterinnen, das Nest aus zerkautem morschem Holz (siehe Foto) weiterzubauen und Nahrung für die jungen Larven zu beschaffen.

Circa Ende August hat der Staat seine maximale Größe erreicht. Jetzt sind genügend Arbeiterinnen vorhanden, um mit der Aufzucht von neuen Königinnen und Männchen (Drohnen) zu beginnen. In der letzten Phase fliegen die jungen Königinnen ab und jede sucht sich ihr eigenes, vor starkem Frost geschütztes Winterquartier. Mit dem Staat geht es jetzt zu Ende, die alte Königin ist verbraucht und bereits Ende Oktober sind auch schon die meisten Arbeiterinnen gestorben. Mit den ersten Frösten geht das Hornissenjahr zu Ende. Im nächsten Frühjahr beginnen die Jungköniginnen von Neuem.

Hornissen besitzen wie Bienen und Wespen einen Giftstachel, den sie zum Töten ihrer Beute benutzen und, wenn nötig, zu ihrer Verteidigung. Entgegen hartnäckigen Gerüchten ist der Stich einer Hornisse nicht gefährlicher als der einer Wespe und sogar weniger giftig als der einer Honigbiene. Wirklich gefährlich sind Hornissen nur für andere Insekten. Sie machen Jagd auf Mücken, Bremsen, Motten, Fliegen, Wespen, Bienen und weitere fliegende Insekten, die sie für die Aufzucht der Larven benötigen. Hornissen können auch in der Dunkelheit gut sehen, sie jagen daher bei Tag und Nacht. Ein Volk vertilgt pro Tag ein halbes Kilo Insekten, soviel wie fünf Meisenfamilien. Sollten Sie also ein Hornissennest in der Nähe haben, das nicht stört, können Sie sich glücklich schätzen, die Anzahl der Mücken und lästiger Wespen in Ihrer Umgebung wird sich deutlich verringern.

Hornissen sind wesentlich scheuer als Honigbienen oder Wespen. Außerhalb ihres Nestbereichs gehen sie Konfrontationen eher aus dem Weg. Ohne vorausgegangene Störung bleiben sie friedlich. Auch haben sie kein Interesse an einem mit Kuchen gedeckten Kaffeetisch, höchstens an den sich dort befindenden Wespen. In der unmittelbaren Nähe des Nestes sind Hornissen allerdings bereit, ihr Volk zu verteidigen. Im Umkreis von 4 Metern um das Nest gilt deshalb: Bitte nicht stören! Folgende Tipps sind hilfreich:

  • Nicht das Nest erschüttern, zum Beispiel durch Hämmern oder Klopfen.
  • Hektische oder schnelle Bewegungen vermeiden, langsame Bewegungen werden in der Regel toleriert.
  • Flugbahn direkt am Nest freihalten.
  • Keinen Rauch oder Abgase von Motoren (Rasenmäher) in die Nestnähe bringen, nicht anhauchen oder gar mit Wasser auf das Nest spritzen.
  • Kleinkinder wegen ihrer oft ungestümen Bewegung vom Nest fernhalten, eventuell durch einfache Absperrungen.
  • Hängt das Nest an einer problematischen Stelle, hilft meist eine einfache Absicherung, etwa ein Fliegengitter.

Haben sich bei der nächtlichen Jagd Hornissen in ein helles Zimmer verflogen, helfen einfache Maßnahmen:

  • Öffnen Sie die Fenster und löschen das Licht innen, meist finden die Tiere schnell alleine hinaus.
  • Mit einem Trink- oder Becherglas und daruntergeschobenem Pappdeckel lassen sich die Tiere leicht fangen und nach draußen befördern.
  • Das Zimmerlicht nachts ausschalten und bei geöffnetem Fenster ein Außenlicht einschalten.
  • Regelmäßiger Besuch wird durch ein Insektenschutzgitter verhindert.

Dennoch kann es in manchen Fällen zu Problemen kommen, etwa wo sich Mensch und Tier unbeabsichtigt ständig in die Quere kommen, das Nest an einer nicht tolerierbaren Stelle hängt oder bei nachgewiesenen Allergien. Dann braucht es einen Spezialisten. Auskunft und erste Hilfe erhalten Sie immer über die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt. Die Spezialisten beraten vor Ort und können in besonderen Ausnahmefällen und mit behördlicher Genehmigung auch einmal ein Nest verlegen oder umsiedeln. Die Untere Naturschutzbehörde im Landkreis München erreichen Sie im Internet unter: www.landkreis-muenchen.de/buergerservice/dienstleistungen-a-z/dienstleistung/meldung-von-insektennestern

Wegen abnehmender Bestände und ihres Nutzens in der Natur steht die Hornisse nach Bundesnaturschutzgesetz und nach Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz. Sie darf nicht getötet und das Nest darf nicht eigenmächtig zerstört oder entfernt werden.

Wenn Sie die Tiere nun selbst näher beobachten wollen, können Sie über den Fachhandel Hornissenkästen erwerben. Im Internet finden sich auch Anleitungen für den Selbstbau. Mit ein wenig Glück wählt eine Jungkönigin den Kasten im Frühjahr für die Gründung ihres Volkes aus.

Rainer Warmke