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07/2022 Die Rotbuche

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist ein heimischer sommergrüner Laubbaum und der Baum des Jahres 2022. Bei der Dr. Silvius Wodarz Stiftung, die seit 1989 verantwortlich für die Wahl zum „Baum des Jahres“ ist, fiel schon im Folgejahr 1990 die Wahl auf die Rotbuche. Sie ist der erste zweifach nominierte Baum: „Mit der erneuten Wahl der in Europa dominierenden Buchenart soll auch auf den Klimawandel aufmerksam gemacht werden. Eigentlich habe der Baum optimale Wachstumsbedingungen in Deutschland.“ (Stefan Meier, Präsident der Stiftung).

Die Rotbuche ist mit 16% der häufigste Laubbaum in unseren deutschen Wäldern und die einzige heimische Buchenart in Mitteleuropa. Sie erhielt ihren Namen wegen ihres leicht rötlich gefärbten Holzes, das nach einer Behandlung durch Dämpfen einen tieferen Rotton erhält, und des im Alter rötlichen Kernholzes.
Aber Achtung: Die Rotbuche ist nicht die Buche mit den roten bis schwarz-roten Blättern, die oft in Parks, Friedhöfen und größeren Gärten zu sehen ist. Dieser auffällige Baum ist die Blutbuche, eine kultivierte Varietät der Rotbuche. Die Hainbuche oder Weißbuche (wegen ihres Holzes) dagegen gehört zur Familie der Birkengewächse.
In unseren Breiten wird die Rotbuche einfach „Buche“ genannt.

Der Standort der Buche bestimmt ihren Wuchs: Freistehend kann sie eine Höhe von bis zu 30 Metern bei einem Stammdurchmesser von 2 Metern erreichen, im dichten Wald eine Höhe von bis zu 50 Metern, mit einem Stammdurchmesser von 1,50 Metern. Im Wald stehend wächst sie schlank und die unteren Äste sterben aus Lichtmangel ab. Im Frühjahr blüht in diesen lichten Buchenwäldern ein Meer von Buschwindröschen. Daran schließen sich Maiglöckchen und Bärlauch an, bevor die Kronen im Sommer dichter werden.

Bei optimalen Bedingungen erreicht die Buche ein Alter von bis zu 350 Jahren. Markant ist ihr gerader, glatter Stamm mit silbriggrauer Rinde, der kaum Borkenbildung aufweist. Damit entfällt die Angriffsfläche für den Borkenkäfer und dessen verheerende Auswirkung. Der Schwarzspecht zimmert mit Vorliebe seine Bruthöhle in den glatten Stamm der Buche, weil der Marder Probleme hat, an ihm hochzukommen und somit der Nachwuchs sicher aufwachsen kann. Sie blüht erst nach etwa 30 Jahren und bildet im Herbst ihre Früchte – die Bucheckern – aus. Rohe Bucheckern sind wegen ihres Trimetylamin- und Oxalsäure-Gehalts leicht giftig. Dagegen gelten die essbaren Buchenblätter als entzündungshemmend. Da sich ihr Laub in 1 – 2 Jahren abbaut, wirken Buchen bodenverbessernd. Die Buche ist ein Herzwurzler, d.h. sie bildet mehrere nach unten und schräg nach außen laufende Hauptwurzeln und eine hohe Feinwurzeldichte.

Fünf deutsche Teilgebiete gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder“: ausgewählte Waldgebiete der Nationalparke Hainich in Thüringen, Kellerwald-Edersee in Hessen, Jasmund und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, sowie das Waldgebiet Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg. Sie repräsentieren die wertvollsten verbliebenen Reste großflächiger naturbelassener Buchenbestände in Deutschland. So steht z.B. im Nationalpark Jasmund auf Rügen mit über 650.000 Bäumen der größte zusammenhängende Buchenwald im gesamten Ostseeraum.

In Oberhaching gibt es auf privaten Grundstücken große freistehende Buchen: z.B. eine 3-er-Gruppe in der oberen Bahnhofstrasse, zwei im Bereich Blumenweg/Auf dem Kyberg und eine sehr schön gewachsene am Ende der Hohenwaldstrasse (mit einem Umfang von 3,30 Metern).

Mit ihrer enormen Wuchskraft galt die konkurrenzstarke Buche lange als Hoffnungsträger für den klimastabilen Mischwald. Aber die spürbar zunehmende Klimaerwärmung mit immer häufigeren Trockenperioden macht auch der Buche zu schaffen: Die Bestände der zuvor als standfest, hitzetolerant und klimaresilient eingestuften Rotbuche weisen verkahlte Kronen, Schädlingsbefall und Symptome komplexer Erkrankungen auf, die zum Absterben der Bäume führen können. Die Buche wies mit etwa 0,3% die geringste Absterberate auf. Die meisten dieser abgestorbenen Buchen standen an sonnenexponierten Süd- und Südwesthängen auf Böden, die wenig Wasser speichern können. Besser sehe es bei den Jungbuchen aus, die sich nach ersten Untersuchungen laut Wodarz-Stiftung möglicherweise an das veränderte Klima anpassen können.

Karin Simon