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09/2021 Was machen Schmetterlinge eigentlich im Winter?

Jedes Jahr, vom Frühling bis in den Herbst, fliegen farbenprächtige Schmetterlinge durch unsere Gärten, Felder und Wälder. Doch was machen sie im Winter, wie kommen sie durch diese kalte Jahreszeit?

Jeder Schmetterling durchläuft 4 Entwicklungsstadien, vom Ei über die Raupe und die Puppe bis zum fertigen Falter. Für die Überwinterung nutzt jede Art das für sie spezifische Stadium.

Als ausgewachsene Falter überwintern nur einige wenige Arten. Um sich auf die frostigen Temperaturen vorzubereiten, reduzieren sie den Wassergehalt in ihrem Körper und reichern sogenannte Frostschutzmittel, zum Beispiel Glycerin und Sorbit, in ihrem Organismus an. Schließlich fallen sie in eine Winterstarre in der die Stoffwechselaktivität nur noch circa 5 % gegenüber der im Sommer beträgt. Den stärksten Frostschutz hat der Zitronenfalter. Er übersteht unbeschadet Temperaturen von minus 20 °C. Er ist der einzige heimische Falter, der frei, ohne weiteres Versteck, überwintert und eisigen Temperaturen und Schneefall widersteht. Andere Falter, wie zum Beispiel das Tagpfauenauge, der C-Falter oder der Kleine Fuchs, brauchen ein Versteck als zusätzlichen Schutz. Dazu gehören dunkle Keller und Dachböden, Schuppen und Gartenhäuschen, oder ein durch Bewuchs (Efeu, Wilder Wein) geschütztes Mauerwerk. Als Schutz vor Fraßfeinden haben diese Falter eine Flügelunterseite, die gut an eine dunkle Umgebung angepasst ist. In der Winterstarre sind die Oberseiten der Flügel zusammengelegt und nur noch die Unterseite ist sichtbar. Auf den Fotos ist ein Tagpfauenauge zu sehen, einmal die bunte Oberseite und einmal die den Falter gut tarnende Unterseite. Die als Falter überwinternden Schmetterlinge sind dann auch die ersten, die im Frühjahr wieder zu sehen sind.

Der Distelfalter ist der Langstreckenflieger unter den Faltern. Er verträgt keine Fröste und fliegt deshalb im Herbst in den Mittelmeer-Raum und meist weiter bis nach Nordafrika in Gebiete der westlichen Sahara. Dort entwickelt sich eine neue Generation, die sich im Frühjahr wieder auf den Weg in unsere Breiten macht und in der Regel ab Mai wieder hier erscheint. Auch der Admiral ist ein Wanderfalter, der milde Winter aber auch bei uns übersteht.

Einige Schmetterlinge überwintern im Puppenstadium. Dazu gehören bekannte Arten wie das Landkärtchen, das Waldbrettspiel, der Aurorafalter oder der Schwalbenschwanz. Die Raupen spinnen sich ab dem Spätsommer in Kokons, die meist an Pflanzenstängeln oder anderen Pflanzenteilen an einem dünnen Faden aufgehängt sind. Einige Arten bevorzugen Kokons unter einer Laub- oder Streuschicht am Boden. 

Etwa drei Viertel aller heimischen Tagfalter-Arten überwintern im Raupenstadium. Wie die Falter reduzieren auch die Raupen ihren Wassergehalt und verfügen über Frostschutzmittel in ihren Körpern für die Überwinterung. Anders als die Falter, legen Raupen ein Fettdepot an, von dem sich der Körper im Winter ernährt. Die Überwinterungsorte sind vielfältig, doch für jede Art spezifisch. Einige ziehen sich in Pflanzenstiele zurück, andere haften sich an Blattunterseiten oder überwintern einfach im Laubstreu. Wieder andere legen Gespinste zwischen Blättern oder in Mauernischen an, in denen sie einzeln oder gesellig überwintern. Eine bemerkenswerte Strategie haben Ameisenbläulinge. Sie lassen sich in Ameisennester ziehen und überdauern dort die kalte Jahreszeit. Dabei hilft ihnen ihr Geruch, der von den Ameisen als angenehm empfunden wird. Sie müssen den Ameisenbau im Frühjahr rechtzeitig verlassen, bevor sich ihr Geruch ändert.

Nach den Raupen ist das Ei das am meisten vorkommende Stadium für die Überwinterung. Die Eier sind sehr robust und vertragen ohne jeden weiteren Schutz die kalte Jahreszeit. Typische Vertreter sind der Apollofalter, der Nierenfleckfalter oder der Feurige Perlmuttfalter. Die weiblichen Falter legen ihre Eier bereits im Sommer bevorzugt an Pflanzen, die im Frühjahr den Raupen als Nahrungsquelle dienen.

Wie können wir Schmetterlingen beim Überwintern helfen?
Für Schmetterlinge, die als Falter überwintern ist ein Zugang zu dunklen, kühlen Kellern, Dachböden oder Gartenhäuschen hilfreich. Schon eine kleine Öffnung ist ausreichend. Für Eier, Puppen und Raupen ist es wichtig, dass ihr Lebensraum für die Überwinterung erhalten bleibt. Es ist bereits hilfreich, wenn der Garten nicht komplett „winterfest“ gemacht wird, sondern verblühte Pflanzen und Stängel über den Winter stehen bleiben und auch die Laubschicht einfach an Ort und Stelle liegen gelassen wird. Dabei muss nicht gleich der ganze Garten so belassen werden, schon ein kleiner Teil ist wertvoll.

Rainer Warmke