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08/2021 Heuschrecken

Die meisten Vögel sind im August verstummt, auch die oft lautstarken Amphibienarten haben ihre Gesänge oder ihre Rufe weitgehend eingestellt. Dafür ist jetzt eine andere Gruppe der Tierwelt, nämlich die Heuschrecken, sehr aktiv. Die „Gesangsphase“ dieser Insekten mit Ausnahme der Grillen beginnt bereits im Juli und endet im September. Das Zirpen der Heuschrecken, auch Stridulieren genannt, ist praktisch der Minnegesang der Männchen. Mit wenigen Ausnahmen sind sie es, die für den Sound des Sommers verantwortlich sind. Diese Zirp-Geräusche, sind bei den meisten Heuschrecken artspezifisch und somit ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal. Sie werden mit den durch Schrillleisten versehenen Flügeln erzeugt. Der Geräuschpegel kann, vor allem wenn eine hohe Individuendichte vorherrscht, beträchtlich sein. Einige unserer heimischen Arten verständigen sich auch mit Klopflauten, die natürlich nur von geübten und guten Ohren und aus nächster Nähe oder nur mit dem Fledermausdetektor vernommen werden können z.B. wie bei der bei uns auch in Gärten vorkommende Laubholz-Säbelschrecke (Foto).

Nachdem nun das Werben der männlichen Tiere erfolgreich war, werden von den mit einer Legeröhre ausgestatteten weiblichen Tieren die Eier meistens in den Boden abgelegt. Die Jungtiere (Nymphen) schlüpfen im Frühling aus Eiern, welche im vergangenen Herbst oder auch mehrere Jahre vorher im Herbst abgelegt wurden.

Unsere Grillenarten haben eine andere Lebensweise und „singen“ deshalb im April und sind verstummt, wenn die Heuschrecken aktiv werden. Die Eiablage erfolgt bereits im Frühsommer und die fast geschlechtsreifen Grillen überwintern. Nach der Überwinterung erfolgen die letzten Häutungen und die Grillen sind geschlechtsreif und damit schließt sich der Kreislauf.

Die Heuschrecken ernähren sich z.T. vegetarisch, einige Arten sind sozusagen Gemischtkostler, die neben Laubblättern und Gräsern auch andere Insekten sowie deren Kadaver verzehren. Sie selbst wiederum sind begehrte Nahrung für eine Vielzahl von Tierarten z.B. Amphibien, Reptilien, Vögeln und Fledermäusen. Ein besonders auf Heuschrecken erpichter Vogel ist der Neuntöter.

Ein Teil der Heuschrecken kann fliegen und sich somit neue Lebensbereiche erschließen.

Gemäß der Roten Liste 2019 wurden in Bayern 73 Arten (2003 noch 76 Arten) nachgewiesen.

Im Gemeindegebiet Oberhaching und Umgebung kann davon ausgegangen werden, dass es hier ca. 25 Arten gibt. Zu den lautesten und auch häufigen Arten zählen u.a. das zu den Laubheuschrecken zählende bis 38mm große Grüne Heupferd und die nicht ganz so große Zwitscherschrecke. Die Laubheuschrecken haben in Wäldern, Gebüschen und auch naturnahen Gärten einen relativ sicheren Lebensraum. Für die vielen wiesenbewohnenden Arten ist das anders. Sie können nur dort überleben, wo Wiesen nicht oder höchstens 1x im (mit Ausnahme von zwei Arten) Jahr gemäht werden. Kein Wunder also, dass es in häufig geschnittenen Wiesen still geworden ist. Besonders dort, wo der Mulchmäher den Grashüpfern und anderen Wiesenbewohnern kaum eine Überlebenschance lässt. Wer also möglichst viele Heuschreckenarten wie z.B. die Arten der Grashüpfer (Foto) beobachten will muss also dort suchen, wo es im Gemeindegebiet solche heuschreckengemäßen Bereiche gibt wie Altgrasbestände an Waldrändern, von Altgras gesäumte Waldwege, an den Bahnlinien oder auf den Wasserleitungstrassen der Stadtwerke München oder auf der Keltenschanze.

Die Möglichkeiten der Bürger, etwas für den Schutz der wiesenbewohnenden Heuschrecken zu tun, sind begrenzt. Als Gartenbesitzer kann man ein Stück Wiese im Garten tolerieren. In der Regel befinden sich aber für diese Tiergruppe geeignete Flächen in öffentlicher Hand. Wer also etwas für den Schutz dieser Tiergruppe tun möchte, sollte sich für die extensive Pflege solcher Wiesen einsetzen. Dies würde auch vielen anderen Tierarten, besonders aber Insekten, zugutekommen. Wer mehr über diese interessanten Tiere erfahren möchte, dem sei das Buch „Heuschrecken in Bayern“, Verlag Eugen Ulmer, empfohlen.

Eike Hagenguth.