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04/2021 Der Regenwurm – der große Helfer des Gärtners

Warum der Regenwurm „Regenwurm“ heißt? – Darüber streiten sich die Gelehrten: Die einen sagen, weil er bei Regen aus der Erde kommt, die anderen, weil er so „rege“ ist. Weltweit kommen über 3.000 Regenwurmarten vor, in Deutschland etwas weniger als 50. Der bei uns bekannteste Regenwurm, auch „Tauwurm“ genannt, gehört zu den Ringelwürmern und ist ausgewachsen an die 15 cm lang, kann aber im Extremfall schon mal 30 cm erreichen. Sein Körper besteht aus ca. 155 deutlich sichtbaren aneinandergereihten Segmenten, die sich beim Wachstum nach und nach am hinteren Endbereich des Wurmes bilden. Obwohl es nicht danach aussieht – schließlich kann der Wurm sowohl vorwärts als auch genauso gut rückwärts kriechen - hat er ein Vorder- und ein Hinterteil: Am Vorderteil befindet sich der Mund, gefolgt von einer Röhre bis zum Magen, daran schließt sich der Darm bis zum After am Hinterteil an. Der Wurm ist ein Zwitter, kann sich also alleine vermehren, aber sich auch mit einem anderen Regenwurm paaren. Pro Jahr hat er nur zwischen 5 bis 10 Nachkommen. Er verfügt über einen großen Vorteil: Bei Abtrennung seines Hinterteils bis zu einem gewissen Bereich kann er dieses fehlende Hinterteil wieder nachwachsen lassen. Er erreicht gewöhnlich ein Alter von bis zu zwei Jahren, in Ausnahmefällen auch mehr.
Regenwürmer sind sehr gefräßig. Sie verspeisen täglich fast die Hälfte ihres Körpergewichts. Pausenlos graben sie unzählige Gänge kreuz und quer ins Erdreich – bis zu 2 m tief – und fressen dabei Pflanzenreste, welke, abgefallene Blätter von Bäumen und Büschen und sonstiges Grünzeug. Da sie die Sonne meiden, kommen sie erst bei Dunkelheit an die Oberfläche und ziehen das bereitliegende Futter in ihre Röhren, wo es dann einige Zeit verbleibt. Das Material wird vom Verrottungsprozess mundgerecht vorbereitet und kann vom Wurm aufgenommen werden. Dabei wird auch Erde mit vertilgt. Das Gemisch aus verdautem Grünzeug und Erde wird dann ausgeschieden, teils an der Erdoberfläche angehäuft oder im Röhrensystem abgelegt. Dieses Kotgemisch ist beste Erde und bewirkt optimale Düngung des Gartenbereichs. Das gegrabene Röhrensystem der Würmer ermöglicht eine gute Belüftung des Erdreichs, der Boden wird überdies aufgelockert, Wurzeln können leichter in die Tiefe eindringen und bei einem starken Regenguss kann das Wasser besser im Boden versickern. Der Regenwurm ist also der große Helfer des Gärtners. Wer viele Regenwürmer im Garten hat, kann sich glücklich schätzen. Falls beim Arbeiten in der Erde Regenwürmer freigelegt werden, sollten diese schnellstmöglich wieder vergraben werden, da sonst die äußere feuchte Ummantelung des Wurmes in der Sonne und an der Luft abtrocknet und der Wurm sterben kann.

Übrigens, für das Vorkommen vieler Regenwürmer im Garten muss der Gärtner „nichts“ tun, sondern einfach nur dafür Sorge tragen, dass alles ein wenig naturbelassen bleibt: herabgefallene Blätter nicht gänzlich entfernen, das sich unter Büschen und Hecken ansammelnde und teils schon verrottete Pflanzenmaterial dort belassen, keine „nackte“ Erde im Garten zulassen, sondern diese z.B. mit wenig Grasschnitt abdecken usw. Nur dann findet der Wurm fressbares Material, das er zum Verspeisen in seine Röhren ziehen kann. Sein Vorkommen ist damit gesichert.

Gerhard Mebus