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03/2021 Kompost – Gold des Gärtners

Noch in den unmittelbaren Nachkriegsjahren, als der Torf noch nicht im großen Umfang für gärtnerische Zwecke zur Verfügung stand, war Kompost ein unerlässlicher Rohstoff für Erwerbsgärtner und viele Gartenbesitzer. Vermutlich deshalb auch die Bezeichnung „Gold des Gärtners“. Heute kann man Fertigerden für jeden erdenklichen Verwendungszweck käuflich erwerben. Viele davon mit einem erheblichen Anteil von Torf.

Aus Gründen des Umweltschutzes ist auf jeden Fall die Eigenkompostierung die beste Recycling- Methode für Garten- und Küchenabfälle. Die eigene Kompostierung erspart (der Allgemeinheit) Transport und Verarbeitungskosten der organischen Abfälle, man kann sich den Zukauf von Erden ersparen oder zumindest reduzieren und erhöht die Artenvielfalt, denn eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure wie Bakterien, Pilze, Kompostwürmer und Asseln sind an der Kompostbildung beteiligt. Wichtige Voraussetzung für die Umwandlung von organischen Abfällen ist eine möglichst ganzjährige gleichmäßige Temperatur und Feuchtigkeit sowie ausreichende Belüftung des Kompostmaterials. Das lässt sich bei kleinen Grundstücken mit häufigen und geringen Mengen von kompostierbaren Abfällen am besten im Thermokomposter bewerkstelligen (Foto), für den sich in fast jedem Garten ein Platz finden müsste. Weniger geeignet sind in diesem Fall Stahlgitterbehälter oder Holzkomposter, da das Kompostmaterial durch die großen Luftschlitze in den immer wärmer werdenden Sommern oft stark austrocknet und im Winter zu kalt wird. In beiden Fällen findet dann kaum noch Verrottung statt. Das heißt auch, dass bei Trockenheit eine Wassergabe sinnvoll ist. Viele Anregungen zur Kompostierung findet man im Internet z.B. http://www.kompostwiki.de

Zur richtigen Eigenkompostierung gibt es viele Hinweise, die, wenn man sie alle beachten will, das Ganze kompliziert aussehen lassen. Das beginnt bereits beim Standort, der am besten an einem schattigen Platz im Garten zu finden ist, was auch grundsätzlich richtig ist. Dies kann aber auch dazu führen, dass der bereits verrottete Teil komplett von Baumwurzeln durchwachsen wird, wenn länger nicht umgesetzt , oder dem Komposter der unten befindliche verrottete Kompost lange nicht entnommen wird. Grob gesagt können fast alle organischen Abfälle kompostiert werden (Ausnahme z.B. Fleisch und Fleischprodukte, Essensreste). In Haushalten, wo noch oder wieder viel selbst gekocht wird, fallen entsprechend viele Küchenabfälle an. Dazu kommen meist Topfballen abgeblühter Pflanzen, verbrauchte Balkonkastenerde, Laub, Grasschnitt und Häckselmaterial (wenn man sich an der von der Gemeinde organisierten Häckselaktion beteiligt). Bei einem sehr hohen Anteil an Küchenabfällen sollte man auf jeden Fall kohlenstoffhaltiges Material wie Laub und Häckselmaterial untermischen. Man kann übrigens eventueller Geruchsbelästigung vorbeugen, indem man EM (effektive Mikrobakterien) einsetzt. Das beschleunigt gleichzeitig die Verrottung. Um einen reifen Kompost, der also weitgehend frei von noch unverrotteten organischem Material ist, zu erzeugen, ist ein Umsetzen sinnvoll. Dieser Kompost eignet sich dann auch gut als Beimischung zu Fertigerden. Die wenigen eventuell keimenden Unkräuter sind leicht zu beseitigen.

Bei Verwendung als reine Pflanzerde sollte bedacht werden, dass solch abgelagerter Kompost zu hohe Salz- und Nährstoffgehalte aufweisen kann. Deshalb ist diese Erde nach Beimischung von nährstoffarmen Komponenten wie z.B. Holzfaser und Gartenerde nur für stark zehrende Pflanzen geeignet – z.B. für Tomaten (Foto), Zucchini, Kohlarten. Da aber oft ein wichtiger Hauptnährstoff (Stickstoff) in verfügbarer Menge fehlt, ist eine Zugabe von am besten organischem stickstoffhaltigem Dünger wie z.B. Hornspäne angebracht. Hat man ansonsten für Beete, Pflanzkübel und Balkonkästen keine Verwendung für den fertigen Kompost, verteilt man ihn einfach am besten im März/April in dünner Schicht unter Sträuchern und auf dem Rasen. Nach einigen Tagen kann man den Rasen dann abrechen und die noch unverrotteten Bestandteile wieder kompostieren. Die langfristig dadurch erreichbare Humusanreicherung sorgt dafür, dass der Boden mehr Wasser aufnimmt und somit die Grasnarbe Trocken- und Hitzestress besser übersteht.

Mein Tipp deshalb: Probieren Sie es mit der Kompostierung, falls Sie noch Neuling sind und einen Garten haben. Das schont die Umwelt, spart Kosten für Erden und Dünger und ist ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.

Eike Hagenguth