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02/2022 Das Elektroauto – Pro und (auch) Contra

In Deutschland sind rund 20 Prozent des CO2-Ausstoßes auf den Verkehr und davon 96 Prozent auf den Straßenverkehr zurückzuführen (Quelle: www.bundesregierung.de). Um die Pariser Klimaziele, zu denen sich die Bundesregierung verpflichtet hat, zu erreichen, müssen in allen Bereichen Emissionen eingespart werden. Leider konnte der Verkehr in den vergangenen Jahren noch keine signifikante Verminderung erreichen, die Emissionen haben sogar zugenommen. Der Anstieg ist auf eine generelle Zunahme des Verkehrs und auf den höheren Anteil von Dieselfahrzeugen zurückzuführen. Nicht ohne Grund wird daher die Elektromobilität verstärkt politisch gefördert. Es gibt auf der anderen Seite auch Nachteile dieser Technologie und eine große Anzahl von Skeptikern und Kritikern gegenüber Elektroautos. Neue Ladesäulen in München wurden mit der Aufschrift „Klimakiller“ versehen und einige sogar mutwillig beschädigt. An dieser Stelle werden die wesentlichen Kritikpunkte einmal aufgegriffen und den Fakten gegenübergestellt.

1.    Zur Herstellung der Batterie werden seltene Rohstoffe genutzt, deren Vorkommen nicht für eine vollständige Umstellung auf Elektrofahrzeuge ausreicht und deren Förderung problematisch ist.

Fakt: Das größte Problem bei Elektroautos ist in der Tat die Batterie. Die aktuelle Generation verwendeter Batterien benötigt die Rohstoffe Kobalt, Lithium und seltene Erden. Die Vorkommen sind zwar in ausreichender Menge vorhanden, jedoch ist die Förderung dieser Rohstoffe mit umweltschädlichen Eingriffen verbunden. Es ist daher wichtig, die Wiederverwertung gebrauchter Akkus über geeignetes Recycling und alternative Technologien auszubauen, was bereits getan wird. Zum anderen gibt es einen Lichtblick aus der Wissenschaft. In der Erforschung ist aktuell die Natrium-Ionen-Batterie, die ohne Lithium auskommt. Mit diesen zwei Maßnahmen kann daher der entscheidende Nachteil abgemildert werden.
Sehr positiv zu beurteilen ist die lange Lebensdauer eines Akkus. Ohne Leistungsverlust kann eine Autobatterie acht Jahre lang betrieben werden und auch dann liegt die Kapazität noch bei rund 90 Prozent. Einige Elektroautos fahren bereits heute mehr als 300.000 Kilometer mit einer einzigen Batterie. Gebrauchte Akkus können als Zwischenstromspeicher in anderen Anwendungen verwendet werden, bevor sie dem Recycling zugeführt werden.
Elektromobilität ohne den Einsatz von Batterien ist mit der Bahn, den Straßenbahnen und Oberleitungsbussen möglich. Sie verfügen über eine direkte Stromleitung und die Energieeffizienz ist noch höher als beim Elektroauto.

2.    Bei der Herstellung von Elektroautos wird mehr CO2 produziert als bei der Herstellung der Verbrenner.

Das ist richtig. In Studien rechnet man mit einem Mehrverbrauch von rund einer Tonne CO2 für ein Elektroauto im Vergleich zum Verbrenner. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit, denn um eine Gesamtbilanz zu ziehen, sollte nicht nur der Herstellungsprozess, sondern der gesamte Lebenszyklus einbezogen werden. Dazu gehören neben der Herstellung auch der Betrieb und die Entsorgung. In einer Studie des Bundesverkehrsministeriums fiel die CO2-Bilanz der 735 E-Autos im Schnitt nach 59.000 Kilometern besser aus als die der Benziner in der Vergleichsgruppe. Vor allem bei Kurzstrecken liegt der Vorteil eindeutig bei den Elektroautos. Plug-In-Hybride bieten gegenüber reinen Verbrennern keinerlei Vorteil. In der Realität werden oft weite Strecken am Stück gefahren, was nur im Verbrennermodus möglich ist. Gleichzeitig müssen aber zwei Motoren transportiert werden, so dass insgesamt sogar mehr Energie verbraucht wird.

Ob der Betrieb eines Elektrofahrzeuges wirklich umweltfreundlicher ist, hängt von der verwendeten Stromquelle ab. Darüber hinaus sollte das Fahrzeug möglichst klein und leicht sein, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Es ist naheliegend, dass die Verwendung von Kohlestrom keine sinnvolle Alternative ist. Erneuerbare Energien sind der Schlüssel zu einer Verringerung des CO2-Ausstoßes. Auch hier wird von Kritikern angeführt, dass es noch nicht genügend sauberen Strom für die Ladung der vielen neuen E-Fahrzeuge gäbe. Mittlerweile decken Erneuerbare Energien aber bereits die Hälfte des Strombedarfs in Deutschland. Der Ausbau wird mit politischem Druck vorangetrieben, sodass sich der Anteil zukünftig weiter erhöhen wird. Zum aktuellen Zeitpunkt kann man sein Elektroauto in Oberhaching mit Ökostrom laden. Die Ladesäulen der Gemeindewerke werden mit Ökostrom gespeist und auch die Ladesäulen der Stadtwerke München in der Innenstadt werden ausschließlich mit sauberer Energie betrieben. Wer sein Auto zuhause auflädt kann entscheiden von welchem Stromanbieter er seinen Strom bezieht. Die beste Lösung ist, sein E-Auto mit Photovoltaik-Strom vom eigenen Dach aufzuladen. Die Angebote sind vorhanden und die Nachfrage entscheidet letztlich darüber, wie schnell die Wende vollzogen wird.
Die Befürchtung, dass der Strombedarf einer vollständigen Umstellung unsere Netze überfordert, lässt zwei Faktoren außer Acht. Zum einen wird es eine Weile brauchen bis sich der Anteil der E-Fahrzeuge erhöht, und zum anderen verstärkt die Politik den Druck auf die Anbieter für den Ausbau und die Modernisierung der Netze. Laut Berechnungen liegt der zusätzliche Strombedarf 15 Prozent über dem bisherigen Jahresverbrauch.
Elektroautos allein können den Klimawandel nicht aufhalten, aber sie können einen Beitrag zur umweltfreundlicheren Mobilität leisten. Bei der Entscheidung für ein Elektroauto spielen aber auch der geringere Lärm und die deutliche Reduktion der Abgase (Stickoxid, Benzol und Kohlenmonoxid) in direkter Nähe zu Radfahrern, Fußgängern und Tieren als wesentliche Verbesserung im Straßenverkehr eine Rolle. Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel bleibt allerdings immer noch die erste Wahl.

Nina Kordes

Als Quelle dienen diverse Veröffentlichungen des BUND Naturschutzes in Bayern e.V., der sich diesem Thema selbstverständlich schon lange intensiv und umfangreich widmet. Darüber informieren die Bundesregierung, das Umweltbundesamt und das Ministerium für Umweltschutz auf ihren Internetseiten ausführlich über die aktuelle Studienlage.