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08/2020 Veränderung der Vogelwelt (Brutvögel) in Oberhaching in den letzten 10 Jahren

Naturbeobachtungen zählen bei vielen Menschen zu einer der schönsten Freizeitaktivitäten. Bei den Beobachtungen von Tieren führen die Vögel die Beliebtheitsskala an. Deshalb ist es kein Zufall, dass sich der BUND Naturschutz Oberhaching bereits 1993 verstärkt der Vogelwelt zugewandt und Bürger angeregt hat, ihre Vogelbeobachtungen aufzuzeichnen. Alle gemeldeten Beobachtungen werden seitdem von uns in einer Datenbank erfasst und jährlich ausgewertet. Die Ergebnisse veröffentlichen wir jeweils auf unserer Homepage.
Im Jahr 2010 haben wir anlässlich des Jahres der Biodiversität eine Bestandsaufnahme unserer Brutvögel vorgenommen und die Ergebnisse in der Broschüre „Biodiversität in Oberhaching“ zusammengefasst (PDF-Datei auf unserer Homepage). Daher liegt uns ein sehr guter Überblick über die Veränderungen der Vogelwelt vor unserer Haustür vor.
Da die Medien in den letzten Jahren viel über den Artenschwund berichteten, möchten wir Ihnen nun einen aktuellen Überblick geben, wie es denn konkret bei uns ausschaut.
Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Der Artenschwund macht keinen Bogen um Oberhaching und schlägt auch bei uns, wie an den meisten Orten, ebenfalls zu!

Beobachten kann man bei uns viele verschiedene Arten. In den letzten 27 Jahren waren es 186 unterschiedliche Vogelarten. Hinter dieser Zahl verbergen sich Beobachtungen von allgemeinen, häufigen aber auch besonders seltenen, bedrohten Arten. Viele der beobachteten Vögel sind nicht bei uns beheimatet, sondern halten sich als Gäste oder Durchzügler nur vorübergehend bei uns auf.
Die meisten Bürger kennen hauptsächlich die Vogelarten, die an die Futterstelle kommen, in einem Nistkasten oder am Haus brüten oder im Orts- und Gartenbereich zu beobachten sind. Hierzu zählen Arten wie: Amsel, Blaumeise, Buchfink, Feldsperling, Grünfink, Hausrotschwanz, Haussperling, Kleiber, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Rabenkrähe, Ringeltaube und Star.

Bei einem Teil der Vögel handelt es sich um sogenannte Generalisten: Sie haben keine allzu großen Ansprüche und sind oft nicht wählerisch, wenn es um das Futter oder auch den Nistplatz geht. Diese Vögel waren in der Lage, sich in langen Zeiträumen an unsere Zivilisation anzupassen. Das sind auch die Arten, die man oft sehen oder hören kann. Viele der seltenen, gefährdeten Arten sind jedoch Spezialisten und haben sich eine ganz bestimmte ökologische Nische in der Natur ausgesucht (u.a. Wiesen, Wälder, Gewässer, Moorgebiete, Gebirgsregionen).

Positive Veränderungen bei den Brutvögeln
Bei diesen Brutvögeln gibt es positive Veränderungen und die Bestände haben erfreulicherweise zugenommen: Dorngrasmücke, Mönchsgrasmücke und Stieglitz. Einen Neuling können wir überraschenderweise auch vermelden: das Schwarzkehlchen. Diese Art – die zuvor hauptsächlich in Südeuropa ihren Verbreitungsschwerpunkt hatte – hat sich nun bei uns etabliert.

Einige der positiven Veränderungen sind auf unterstützende Maßnahmen und vermutlich auch auf klimatische Faktoren zurück zu führen. Dorngrasmücken haben in den Gehölzen in den Kiesgrubenbereichen ihren geeigneten Lebensraum gefunden. Sie profitieren wahrscheinlich von den trockeneren, wärmeren Sommern der vergangenen Jahre. Stieglitzen wiederum kommt möglicherweise die Extensivierung der Grünflächenpflege zu Gute, denn dadurch steht ein vermehrtes Angebot an Sämereien für die Aufzucht der Jungvögel zur Verfügung. Aber auch die Existenz von Stilllegungsflächen mit einem hohen Samenangebot während der Wintermonate wirkt sich positiv aus. Die gut versteckten Nester werden häufig in Straßenbäumen im Ortsgebiet angelegt.

Negative Veränderungen bei den Brutvögeln
Bei nachfolgenden Arten gibt es negative Veränderungen und die Bestände sind zurückgegangen, teilweise stark eingebrochen oder aber gänzlich verschwunden: Bachstelze, Baumpieper, Bluthänfling, Feldlerche, Feldschwirl, Feldsperling, Gartengrasmücke, Gartenrotschwanz, Gelbspötter, Gimpel, Goldammer, Grauschnäpper, Kiebitz, Klappergrasmücke, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Raufußkauz, Singdrossel, Sperlingskauz, Türkentaube, Wacholderdrossel, Waldlaubsänger und Zaunkönig.
Besonders betroffen sind davon die Zugvögel.

Nicht alle negativen Veränderungen lassen sich einfach erklären. Bei den Veränderungen gibt es nicht einen einzigen Grund, sondern ein ganzes Bündel von Ursachen, die stark abhängig von den Biotopen und den Nahrungsangeboten sind. Die Ursachen liegen im Siedlungsbereich u.a. an der Versiegelung von Flächen, den sterilen Gärten, der Bauweise unserer Häuser (keine Nischen, viel Glas) und nicht zuletzt auch noch an den vielen Hauskatzen.
Auf den konventionell bewirtschafteten Feldfluren gibt es nur ein sehr geringes Nahrungsangebot und nahezu keine Brutmöglichkeiten. Dies trifft ebenso auf unsere Wirtschaftswälder zu, wo es zu wenig Naturwald gibt.
Aber dies sind nicht die einzigen Gründe, denn auf dem Vogelzug werden nach wie vor in vielen Ländern die Vögel legal oder illegal verfolgt, gefangen und bejagt. Zusätzlich gibt es auch noch gravierende Veränderungen auf deren Zugstrecken und in den Winterquartieren.

Was ist zu tun?
Seit vielen Jahren sind sich nahezu alle einig, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, wenn wir die Natur erhalten und das Artensterben stoppen wollen. Um den Artenschwund zu stoppen, hat man unter dem Druck von Natur- und Umweltschutzverbänden von der politischen Seite eine Reihe von Programmen aufgelegt (u.a. das Jahr der Biodiversität in Bayern). Diese sind jedoch leider nahezu alle – teilweise kläglich – gescheitert.
Warum hat sich der erhoffte Erfolg nicht eingestellt? Dies lag daran, dass keine wirklich tiefgreifenden Veränderungen eingeleitet wurden.
Gegen viele der negativen Veränderungen kann der einzelne Bürger relativ wenig tun. Mit dem Füttern der Vögel ist es auf jeden Fall nicht getan. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die auf jeden Fall etwas Positives bewirken. Dazu zählen u.a. ein naturnaher Garten mit Beeren tragenden einheimischen Sträuchern, sowie Nistkästen und Nischen am Haus.
Die grundsätzlich erforderlichen Veränderungen lassen sich jedoch nur durch ein verändertes Konsumverhalten jedes einzelnen einleiten (u.a. Kauf von BIO-Produkten). Lebensmittel aus der biologischen Landwirtschaft fördern den Erhalt bzw. die Entstehung einer intakten Natur. Natürlich ist parallel dazu die Politik gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der ökologische Landbau sich auch für die Erzeuger unserer Nahrungsmittel wirtschaftlich lohnt und damit ihre Arbeit auch den Stellenwert erhält, der ihnen zusteht.

Fazit
Die Vogelwelt ist nur ein kleiner Bereich unserer komplexen Natur. Aber schon hier wird sichtbar, wie katastrophal sich die Veränderungen in der Natur auf die Bestände auswirken.
Nicht alle Menschen sehen ein Problem darin, wenn es die eine oder andere Pflanze oder das eine oder andere Tier nicht mehr gibt. Viele der seltenen Arten haben sie nie gesehen und vermissen diese daher auch nicht. Das ist jedoch etwas zu kurz gedacht. Uns muss klar sein, dass die Grundlage allen Lebens die Vielfalt von Lebensräumen ist, welche auf den Pflanzen beruht, die auf der untersten Ebene der Nahrungspyramide stehen. Zerstören wir die Natur, so zerstören wir auch unsere Lebensgrundlage!

Eike Hagenguth + Hans Jakob