11/2019 Medikamente im Trinkwasser

Trinkwasser ist unser wichtigstes und das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Hierzulande stammen knapp drei Viertel aus mehr oder weniger tiefen Grundwasserspeichern und etwa ein Viertel aus Quellen oder aufbereiteten Oberflächengewässern wie Seen und Flüsse. Das Wasserwerk Oberhaching fördert das Trinkwasser im Deisenhofener Forst aus einer Tiefe von 35 bis 38 Metern während der Zweckverband Endlhauser Gruppe aus Tiefen zwischen 80 und 100 Metern schöpft.

Die Trinkwasserqualität ist vor allem abhängig von der Qualität unseres Grund- und Oberflächenwassers!
Jeder Deutsche verbraucht durchschnittlich circa 125 Liter Trinkwasser täglich. Damit es zum Kochen und Trinken, zur Körperpflege und für den Hausgebrauch geeignet ist, muss es die Güte- und Reinheitskriterien der Trinkwasserverordnung erfüllen.

Als „frei von Krankheitserregern“ und „nicht gesundheitsschädlich“ gilt es, wenn für über 40 mikrobiologische und chemische Stoffe bestimmte Grenzwerte nicht überschritten werden. Allerdings können bei einer genauen Wasseranalyse mit moderner Technik einige hundert chemische Substanzen und somit auch Schadstoffe im Trinkwasser nachgewiesen werden, für die noch keinerlei Grenzwertfestlegungen existieren.

Zunehmend werden auch Medikamentenrückstände in der Umwelt nachgewiesen. Dabei ist der Eintrag über Haushalts-, Klinik- und Industrieabwässer besonders problematisch, denn, obwohl Kläranlagen heute technisch gut aufgestellt sind, können viele Stoffe nicht zuverlässig entfernt werden.

Eingenommene Arzneimittel werden nur teilweise im Körper von Mensch und Tier abgebaut. Viele in der Human- und Veterinärmedizin eingesetzte Wirkstoffe werden unmetabolisiert, also unverändert wieder ausgeschieden. So landen unzählige chemische Substanzen und deren Abbauprodukte mit Urin und Kot von Mensch und Tier im Wasserkreislauf. In diesem Zusammenhang ist auch das Ausbringen von Gülle in der Landwirtschaft zu nennen. Die Verbindungen sind zum Teil pharmakologisch hoch wirksam, selbst wenn sie nur in Spuren vorkommen (z.B. Antibiotika, Hormone, Psychopharmaka, Röntgenkontrastmittel, aber auch bestimmte Blutdrucksenker und Schmerzmittel sind oft schwer abbaubar und deshalb lange nachweisbar).

Die korrekte Arzneimittelentsorgung im Privathaushalt erfolgt über den Hausmüll!
Damit bei steigendem Verbrauch weniger Arzneimittelrückstände ins Abwasser gelangen, dürfen diese auf keinen Fall über die Toilette oder das Waschbecken entsorgt werden. Die sachgemäße Entsorgung von Altarzneimitteln im Privathaushalt erfolgt in der Regel über den Haus- bzw. Restmüll. Dieser wird meist verbrannt, die Wirkstoffe werden dadurch zuverlässig zerstört. Zukünftig müssen alle Packungsbeilagen von Arzneimitteln folgenden Hinweis enthalten:
„Entsorgen Sie Arzneimittel niemals über das Abwasser (z.B. nicht über die Toilette oder das Waschbecken). Fragen Sie in Ihrer Apotheke, wie das Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht mehr verwenden. Sie tragen damit zum Schutz der Umwelt bei. Weitere Informationen finden Sie unter www.bfarm.de/arzneimittelentsorgung.“

In naher Zukunft werden immense Anstrengungen in der Abwasserreinigung wie auch in der Trinkwasseraufbereitung nötig sein, damit diese Stoffe durch den Wasserkreislauf nicht in das Trinkwasser gelangen und zu systemischen Risiken führen. Aufgrund dieser steigenden Betriebskosten wird der Verbraucher in den nächsten Jahren mit höheren Kosten für das Trink- und Abwasser rechnen müssen, auch wenn der Wasserverbrauch seit circa 15 Jahren rückläufig ist. Insgesamt bleibt jedoch zu hoffen, dass bei all den Maßnahmen parallel dazu das Verursacherprinzip angewandt wird und dem Gewässerschutz allgemein eine höhere Bedeutung zukommt.

Mineralwasser ist übrigens keine wirklich gute Alternative für Trink- bzw. Leitungswasser. Abgesehen davon, dass es aufwendig in Flaschen abgefüllt und lange Wege bis zum Endverbraucher zurücklegt, legt die Mineral- und Tafelwasserverordnung weit weniger zu prüfende Stoffe fest. In punkto Frische und Preis ist Leitungswasser sowieso unschlagbar.

Brigitte Nerl