08/2017 Insektenfreundliche Außenbeleuchtung

Die natürliche dunkle Nacht bestimmt das Leben auf der Erde seit Jahrmillionen und hat das Gleichgewicht unserer Gesundheit und Natur geprägt. Wir Menschen machen die Nacht jedoch immer mehr zum Tage. Tausende von künstlichen Lichtquellen erhellen nachts unsere Wohn-, Gewerbegebiete und Straßen. Für den größten Teil des künstlichen Lichts sind die Kommunen, die Auftraggeber der öffentlichen Beleuchtung sind, verantwortlich. Danach sind aber das Gewerbe und der Handel zu nennen, die ebenfalls für viel künstliches Licht sorgen. Immer häufiger werden aber auch im Privatbereich Gärten erhellt, was u.a. deshalb geschieht, weil Gartenleuchten in Gartencentern zu „Schnäppchenpreisen“ angeboten werden und daher viele Menschen dem Kauf einfach nicht widerstehen können. Die aktuelle Entwicklung der stetig steigenden Zahl an künstlichen Lichtquellen im Außenbereich wird in Bezug auf den Artenschutz zunehmend kritisch gesehen. Man spricht in diesem Zusammenhang von „Lichtverschmutzung“.
In diesem Artikel wird die grundsätzliche Problemstellung erläutert und die Möglichkeiten zur Entschärfung, hauptsächlich im privaten bzw. geschäftlichen Bereich, aufgezeigt.

Wo liegt das Problem?
Für fliegende, nachtaktive Insekten (u.a. Nachtfalter) werden die vielen künstlichen Lichtquellen immer häufiger zu einem Problem, denn Licht spielt eine wesentliche Rolle bei ihrer Orientierung. Durch das künstliche Licht wird ihr natürlicher Lebensrhythmus gestört. Lichtquellen ziehen – abhängig von der Wellenlänge des Lichts – Insekten mehr oder weniger magisch an. Darüber hinaus führt künstliches Licht zu einer gesteigerten Flugaktivität der Insekten und zu unnatürlich verlängerten Aktivitätszeiten. Bereits beim Anflug einer Lichtquelle werden durch den Kontakt oder den Aufprall an heißen Lampengehäusen sehr viele Insekten getötet. Andere umschwirren die Lichtquelle stundenlang, verbrauchen viel Energie dabei und sterben oft an Erschöpfung. Eine weitere tödliche Falle sind undichte Leuchtengehäuse, denn für Insekten, die in das Gehäuseinnere gelangen, gibt es kein Entrinnen mehr. Diese Probleme treten bei allen künstlichen Lichtquellen auf, jedoch verstärkt dort, wo Leuchten einzeln in ansonsten dunklen Bereichen aufgestellt sind, denn der Hell-Dunkel-Kontrast bewirkt eine um ein Vielfaches verstärkte Anziehungskraft.
Durch all diese Umstände kommt eine unglaublich riesige Menge von Insekten um. Darin sehen viele Menschen erst mal kein großes Problem, denn Insekten sind eher unbeliebt und wenn es diese nicht mehr gibt, dann ist man die „lästigen Viecher“ los. Wenn man sich jedoch vor Augen hält, welche wichtige Rolle Insekten in der Natur spielen, dann schaut die Sache ganz anders aus. Denn Insekten sind sehr wichtig für die Bestäubung von Blütenpflanzen, sind aber auch eine wichtige Nahrungsquelle für andere, in der Nahrungskette höher angesiedelte Lebewesen (wie z.B. Vögel oder Fledermäuse). Das Problem besteht also nicht nur für die Insekten selbst, sondern auch für die gesamte Artenvielfalt, die durch den extremen Rückgang zu verarmen bzw. sogar zusammenzubrechen droht.

Wie kann man das Problem entschärfen?
Zuerst sollte grundsätzlich überlegt werden, wo künstliches Licht und in welcher Helligkeit überhaupt erforderlich ist. Künstliches Licht sollte unbedingt auf das erforderliche Maß begrenzt werden. Am Haus und im Garten sollten nur Wege und Hauseingänge beleuchtet werden, wo dies aus sicherheitstechnischen Gründen erforderlich erscheint. Hier sollte das Licht aber auch nicht immer eingeschaltet bleiben, sondern über einen Bewegungsmelder oder eine Zeitschaltuhr gesteuert werden. Zu berücksichtigen ist auch die Beleuchtungsstärke, denn die anziehende Wirkung auf Insekten sinkt mit abnehmender Helligkeit. Da Insekten hauptsächlich nur in den Sommermonaten fliegen, sollte man auch prüfen, ob man die Beleuchtung möglichst nur auf den Zeitraum Okt. bis März beschränken kann.
Strahlt eine Leuchte nicht nur nach unten, sondern auch waagrecht in die Landschaft oder gar nach oben, entwickelt diese zusätzlich eine Fernwirkung und lockt Insekten aus einem viel größeren Umkreis an. Umso größer der Kontrast zur Umgebungshelligkeit ist, desto stärker ist die Anziehungskraft. D.h. angestrahlte Gebäude, Lichtreklametafeln, Straßenleuchten usw. wirken regelrecht wie „Insektenstaubsauger“, denn sie locken Insekten aus vielen Kilometern Entfernung an. Deshalb sollte diese Problemstellung bei der Standortwahl von Beleuchtungen unbedingt bereits bei der Planung bedacht werden.
LED-Leuchten, die ein warmweißes Licht abgeben (Farbtemperatur unter 3.300 Kelvin), ein vollständig gekapseltes Lampengehäuse haben (nach oben abgeschirmt sind) und nicht wie Kugelleuchten ringsherum leuchten, sind insektenfreundlicher und sind daher aus Artenschutzgründen zu empfehlen.
Bei der Planung und Installation von neuen Lichtanlagen, aber auch bei der Sanierung und Wartung von Altanlagen, sollten Artenschutzbelange berücksichtigt werden. Diese sind oft möglich, ohne dass die Menschen auf die Annehmlichkeiten der nächtlichen Beleuchtung ganz verzichten müssen.
Wenn Sie als Gartenbesitzer das „Gartenambiente“ mit dekorativen Leuchten etwas in den Hintergrund rücken und damit der Natur mehr Gewicht geben, dann werden sie ganz bestimmt reichlich belohnt. Wenn es im Garten summt und brummt, dann finden auch Vögel Nahrung und werden sich durch ihren Gesang bei Ihnen bedanken.
Grundsätzlich sollten Sie natürlich über insektenfreundliche Leuchten hinaus, auch immer an den Klima- und Umweltschutz denken und nur energiesparende Beleuchtungen betreiben.

Hans Jakob