01/2015 Der Habicht - Vogel des Jahres 2015

Nach dem Grünspecht im Vorjahr, wurde der Habicht als Vogel des Jahres 2015 ausgewählt. Mit der Wahl des Grünspechts wurde die positive Entwicklung dieser Art in den letzten Jahren herausgestellt. Mit dem Habicht soll jedoch diesmal die Öffentlichkeit auf eine – durch die illegale Greifvogelverfolgung – bedrohte Art aufmerksam gemacht werden.
Beim Habicht handelt es sich um eine Greifvogelart (früher als Raubvogelart bezeichnet). Die Größe des Vogels (des Weibchens) ist mit einem Mäusebussard vergleichbar. Seine Unterseite ist hell mit schmalen, schwarzen Querstreifen gebändert. Im Flug ist der Habicht durch seinen langen Schwanz und den kürzeren gerundeten Flügeln von einem Bussard zu unterscheiden.
Bei vielen Greifvögeln ist das Weibchen (W.) größer als das Männchen (M.). So ist es auch beim Habicht, wo das W. mit einer Körperlänge von ca. 60 cm und einer Flügelspannweite von ca. 115 cm erheblich größer ist als das M., bei dem die Maße nur ca. 53 bzw. 100 cm betragen. Soll nach einer Beobachtung eine Artbestimmung vorgenommen werden, so ist oft die Entscheidung gar nicht so einfach, ob es sich um einen Habicht oder einen Sperber handelt. Die Ursache hierfür ist, dass das M. des Habichts einem großen W. des Sperbers sehr ähnlich sieht. Taucht im Winter in der Nähe einer Futterstelle ein Greifvogel auf, so handelt es sich meistens um einen Sperber, der Kleinvögel jagt.

Der Körperbau des Habichts ist optimal für schnelle Kurzstreckenflüge geschaffen. Die kurzen Flügel und der lange Schwanz machen ihn besonders wendig, so dass er im dichten Unterholz jagen kann. Oft jagt er aber auch von einem versteckten Ansitz aus. Sein scharfer Blick hilft ihm, seine Beute über weite Entfernungen zu entdecken. Er bevorzugt lebende Beute, wobei er in der Auswahl der Beutetiere ausgesprochen vielseitig ist. Da er Jagd macht, auf das was in seinem Revier zahlreich vorkommt, kann sich die jeweilige Hauptbeute von Revier zu Revier erheblich unterscheiden.
Der Großteil seiner Beute besteht aus mittelgroßen Vögeln, wozu Straßen- und Ringeltauben sowie Rabenvögel (Krähen, Elstern und Eichelhäher) gehören. Habichte verschmähen aber auch kleinere Säugetiere wie Ratten oder junge Hasen nicht. Bei den Beutetieren handelt es sich insbesondere um geschwächte, kranke oder auch unerfahrene Tiere. Somit nimmt der Habicht eine wichtige Rolle im Rahmen der natürlichen Auslese ein.
Habichte paaren sich im Spätwinter, bei günstigen Wetterverhältnissen aber auch bereits im Nov./Dez. In der Balzzeit hat man in unseren Wäldern die Chance, die spektakulären Balzflüge der Vögel zu beobachten. Hören kann man Habichte nur sehr selten, jedoch in der Balz-, Paarungs- und Brutzeit kann man in der Nähe des Horstes die Rufe „kja-kja-kja“ mehrere hundert Meter weit vernehmen. Aber auch ein kurzes „gjak“ oder „gjik“ ist zu hören, denn damit verständigen sich Habichtpaare untereinander.
Paare bleiben ein Leben lang zusammen und sind sehr reviertreu. Außerhalb der Brutzeit werden sie jedoch wieder zu Einzelgängern. Hat sich ein Paar gefunden, baut es seinen Horst in einer Astgabel eines hohen Baumes. Entweder wird jedes Jahr ein neuer Horst angelegt oder ein bestehender aufgestockt. Ältere Horste können deswegen bis zu einem Meter hoch werden und 130 Zentimeter Durchmesser erreichen. Die meisten Paare richten sich in ihrem Revier mehrere Wechselhorste ein, zwischen denen sie von Jahr zu Jahr umziehen.
Im März/April legt das Weibchen 2 - 4 ca. hühnergroße Eier. Nach ca. 38 Tagen schlüpfen die Jungvögel. Für die Nahrungsbeschaffung sorgt allein das M., während das W. den Nachwuchs betreut. Das Gefieder der Jungen entwickelt sich nach dem Schlüpfen in ca. 44 Tagen (Nestlingszeit) soweit, dass diese flugfähig sind. In der anschließenden Ästlingszeit halten sich die Jungen noch ca. 4 Wochen in Horstnähe auf und werden weiterhin von den Altvögeln gefüttert. Erst im Laufe des Sommers löst sich der Familienverband auf und nach 2 - 3 Monaten verlassen die Jungen das Revier ihrer Eltern.
Der bei uns am Ort mit geschätzten 2 Brutpaaren selten vorkommende Habicht hält sich hauptsächlich in unseren Wäldern auf und führt dort ein recht verstecktes Leben. Obwohl er sich z.B. im März letzen Jahres über einen längeren Zeitraum im Ortsbereich (im Hinteren Gleißental) aufhielt, wurde er sicherlich nur von wenigen Bürgern bemerkt.
Da freilebendes Kleinwild, Brieftauben und auch Haustiere (z.B. Geflügel, Meerschweinchen, Kaninchen, die im Freien gehalten werden) zum Beutespektrum von Habichten gehören, sind sie bei Jägern, sowie Geflügel- und Kleintierhaltern besonders unbeliebt. Dies sollte aber kein Grund für die Verfolgung sein. Für Haustiere, die im Freien gehalten werden, wird empfohlen, die Gehege von oben mittels Gitterdraht abzudecken. Brieftauben sollten in geeigneten Volieren und Gehegen gehalten werden, die Habichten keinen Zugang ermöglichen. Allerdings kann man hiermit natürlich nicht verhindern, dass freifliegende Tauben Beute von Habichten werden. Zu verhindern ist auch nicht der Verlust von jagdbarem Wild; dies muss einfach akzeptiert werden!
Obwohl sämtliche Greifvogelarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz, wie auch nach der EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt sind, werden Habichte leider immer noch massiv gejagt. Trauriger Alltag ist es, dass die Vögel abgeschossen, vergiftet oder gefangen werden. Natürlich ist nicht davon auszugehen, dass dies auch bei uns am Ort geschieht. Sollten Sie aber einmal andernorts Zeuge einer illegalen Verfolgung werden, dann melden Sie dies unbedingt. Hierzu wurde gemeinsam vom NABU, LBV und dem Komitee gegen den Vogelmord die Telefonhotline 030/28 49 84-1555 eingerichtet. Dort erhalten Sie auch professionelle Hilfe durch Experten.

Hans Jakob