06/2014 Roundup & Co. – Unkrautbekämpfung im Garten

1974 brachte Monsanto das Totalherbizid Roundup auf den Markt, dessen Hauptwirkstoff Glyphosat ist. Glyphosat ist das meistgespritzte Unkrautvernichtungsmittel in Deutschland und der Welt, aber auch Hauptwirkstoff in vielen anderen Herbiziden wie z.B. Vorox, Cleaner, Unkrautfrei, …
In Deutschland werden z.Zt. jährlich über 5.000 Tonnen dieses Wirkstoffs verspritzt (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit BVL: www.bvl.bund.de).
Davon verteilen 500 Tonnen Haus- und Kleingärtner in privaten Gärten (BN – BUND Naturschutz informiert).
In Deutschland besitzen 75 glyphosathaltige Mittel eine Zulassung, 44 davon auch für den Haus- und Kleingarten. Die Zulassung für den Privatgebrauch unterliegt dem o.g. BVL.

Glyphosat ist ein nicht-selektives Breitbandherbizid, d.h. der Wirkstoff wirkt nicht bloß gegen bestimmte einzelne Pflanzenarten – sondern generell gegen alle grünen Pflanzenteile.
Wer irrtümlich mit einem glyphosathaltigen Herbizid nach dem Motto „viel hilft viel“ gegen das Beikraut (bisher Unkraut genannt) in seinem Rasen vorgeht, kann von den fatalen Folgen berichten: große, braune Flecken, sodass der Rasen neu angelegt werden muss. Glyphosat wird über die grünen Pflanzenteile aufgenommen und wirkt wurzeltief! Es tötet jede Pflanze ab, trocknet sie aus – es sei denn, sie ist gentechnisch manipuliert und resistent (wie z.B. Sojapflanzen in Argentinien).
Hoffentlich wurde an die Schutzausrüstung gedacht: Gummistiefel, Handschuhe und Schutzbrille (BVL)!

Dabei können die jungen, zarten Blätter von Brennnessel und Giersch als Spinat zubereitet werden, die von Gänseblümchen, Gundermann, Giersch, Löwenzahn und Spitzwegerich sind schmackhafte Beikräuter im Salat, die Blüten von Gänseblümchen und Gundermann schöne Dekoration zum Mitessen. Die jungen Blätter und Blüten des kriechenden Günsels mit ihrem chicoreeartigen Geschmack verleihen Kartoffel- und Bratengerichten eine herbe Würze. Essbare Wildpflanzen sind im Trend. Bequem im eigenen Garten geerntet, ohne Reue zu genießen – sie sind ja nicht gespritzt oder verunreinigt.
Für die Fugen von Gehwegen bieten sich Ansaatmischungen mit trockenheitsresistenten und trittfesten Arten an, die nicht so hoch werden und ganz einfach gemäht werden können (Thymian, Römische Kamille oder Teppichminze). Die Insekten freuen sich ebenfalls, ebenso wie Vögel, die direkt oder indirekt von Wildpflanzen leben.

Laut BVL darf Glyphosat nicht ins Wasser gelangen. Das Versprühen von Glyphosat auf Gehwegen und anderen versiegelten Flächen ist verboten, damit es nicht in die Kanalisation und ins Grundwasser gelangt. Leider wurde Glyphosat schon in kommunalen Kläranlagen nachgewiesen.
2012 und 2013 ließ „Ökotest“ Weizenprodukte untersuchen: in ¾ aller Produkte waren Rückstände des Pflanzenschutzmittel Glyphosat nachweisbar. Über die Nahrung gelangt das Pflanzengift in den menschlichen Organismus. Deshalb ließ der BN Urinproben von Großstädtern aus 18 Ländern untersuchen: 70% der Proben aus Deutschland enthielten Glyphosat (bei den Schweizern nur 20%).

Die Herstellerfirmen und die Zulassungsbehörde behaupten, Glyphosat ist nicht gesundheitsschädlich. Eine Vielzahl unabhängiger Studien belegt jedoch das Gegenteil. Es gibt Hinweise darauf, dass Glyphosat den Hormonhaushalt beeinträchtigt, die Entstehung von Hauttumoren begünstigt und Krebs (Non-Hodgkin-Lymphom) auslösen kann.
Und wer kennt sie nicht, die grausamen Bilder der Landbevölkerung aus den Anbaugebieten der gentechnisch veränderten, herbizidresistenten Sojapflanzen in Argentinien: Missbildungen bei Neugeborenen, Tot- und Fehlgeburten.
Nachgewiesen ist die Schädigung von Amphibien: ihre Embryonalentwicklung wird gestört, viele Kaulquappen sterben (Dr. M. Mertens, BN-Sprecherin AK Gentechnik).
Untersuchungen bei mit Glyphosat behandelten Frosch- und Hühnereiern ergaben Missbildungen vor allem im Kopfbereich und betrafen das Nervensystem. Forscher konnten zeigen, dass sich auch beim Menschen Störungen der Embryonalentwicklung besonders im Kopf- und Hirnbereich auswirken.

Das Umweltbundesamt fordert sparsamen Einsatz von Glyphosat und empfiehlt sogar, auf Totalherbizide generell zu verzichten.
Am 3. Nov. 2013 hat der Bundesrat die Bundesregierung einstimmig aufgefordert, zwei Anwendungen von Glyphosat zu verbieten: dazu gehört u.a. der Gebrauch in Haus- und Kleingärten.
Auch der BN fordert ein Verbot von Glyphosat und glyphosathaltigen Pestiziden, nachzulesen und zu unterstützen unter www.bund.net.

In Frankreich ist Parkinson bei Landwirten als Berufskrankheit anerkannt – ausgelöst durch Pestizide!

Warten wir nicht auf große politische Entscheidungen, fangen wir in unseren Gärten an und verzichten auf Roundup & Co.!

Karin Simon