05/2012 Beitrag zur Artenvielfalt

Das Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet Verursacher eines Eingriffs, den verursachten Schaden an der Natur in geeigneter Weise auszugleichen. Als Eingriff gilt z.B. die Beseitigung der gewachsenen Bodenschicht durch Versiegelung bei Bebauung, Straßen- und Verkehrswegebau. Hierzu muss der Verursacher in der Regel Ausgleichsflächen nachweisen, die sich ökologisch aufwerten lassen (z.B. Industriebrachen, intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen). Wird eine Fläche schon vor einer späteren Baumaßnahme als Ausgleichsfläche ausgewiesen, wird sie als Ökokontofläche bezeichnet.

Auf Vorschlag der Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) wurden zwei im Hoheitsgebiet unserer Gemeinde liegende Flächen der Stadtwerke München, die über einen längeren Zeitraum als Bau- und Lagerflächen dienten, zu Ökokontoflächen erklärt. Eine dieser Flächen unweit des östlich gelegenen Parkplatzes Kugler Alm, wurde so gestaltet, dass ein schmaler Streifen mit Sträuchern, ein größerer mit Obstbäumen bepflanzt wurde, während auf dem größten Teil der insgesamt fast 5000m² auf kiesigem Grund eine spezielle Wiesenmischung angesät wurde.

Obwohl sich hier die gewünschte floristische Artenvielfalt noch nicht voll entwickelt hat, ist sie schon jetzt ein Eldorado für Insekten. Ein von der Ortsgruppe des Bund Naturschutz dort aufgestellter Wildbienenstand wird diese Vielfalt sicher noch vergrößern. Die zweite Fläche ebenfalls fast 5000m², befindet sich auf dem Lanzenhaarer Feld und dürfte inzwischen einigen Bürgern schon bekannt sein. Seit vergangenem Herbst weist eine Infotafel auf den Sinn und Zweck dieser Fläche hin. Wer die Infotafel noch nicht gelesen hat, wundert sich vielleicht über dieses von Kieshaufen, Mulden, Tümpeln und Wurzelstöcken geprägte Gelände.

Vorrangig soll diese Fläche dem Amphibienschutz dienen. Dazu wurden auch die hier angelegten Tümpel, die durch Kargheit und Vegetationsarmut nicht unbedingt das Auge des Betrachters erfreuen, angelegt. Genau diese Ansprüche sowie das Austrocknen bzw. Trockenlegen der Gewässer nach dem Abwandern der Jungtiere sind es, welche die hier geförderten Amphibienarten benötigen. Das gilt insbesondere für Wechselkröten (Foto: Wechselkröte in ihrem Tagesversteck, einem Mauseloch) sowie die speziell in unserem Raum nur noch selten zu findenden Gelbbauchunken und Laubfrösche. Nur ein zeitweiliges jährliches Trockenlegen wenigstens eines dieser Gewässer und ggf. ein Befüllen bei ausbleibenden Niederschlägen gewährleistet, dass sich hier eine Population wenigsten einer dieser bedrohten Arten entwickeln und auf Dauer halten kann.

Doch auch die Hochstaudenfluren, die derzeit noch den größten Teil der Fläche einnehmen, sind mit ihrer Artenvielfalt, ihrem Blüten- und Samenreichtum ein bedeutender Lebensraum für Insekten, Spinnen und Vögel. Ein Nutznießer der Fläche ist z.B. der unscheinbare bei uns eher seltene Sumpfrohrsänger, der sich ab Ende Mai bis in den Juni mit seinem leisen, ausdauernden und abwechslungsreichen Gesang schon vor Sonnenaufgang bis in die Nacht hinein bemerkbar macht.

Beide Ökokontoflächen werden übrigens im Auftrag der Stadtwerke München nach ökologischen Kriterien durch den Landschaftspflegeverband einmal (Teilflächen auch zweimal) jährlich mit Balken- bzw. Kreiselmäher gemäht und das Mähgut abgefahren.

Sollte Sie Ihr Weg zu diesen Flächen führen, denken sie bitte daran, dass die sich hier etablierende Artenvielfalt am besten entwickeln kann, wenn diese Flächen insbesondere während der Vegetationsperiode nicht von Zwei- oder Vierbeinern betreten werden.

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Eike Hagenguth