04/2009 Wespen der anderen Art

Vergessen Sie jetzt die allseits bekannten Plagegeister am spätsommerlichen Kaffeetisch. Im Artenspektrum der Wespen (Hautflügler) sind sie, die staatenbildenden oder sozialen Wespen nur eine winzige Minderheit. Neben ihnen gibt es Pflanzenwespen, deren Larven sich vegetarisch ernähren. Eine andere Gruppe (Gallwespen) legt ihre Eier an Knospen und Zweige, was dann zu meist auffälligen Wucherungen des Pflanzengewebes führt. Die meisten Arten allerdings leben in irgend einer Weise auf Kosten von Spinnen und anderen Insekten einschließlich der eigenen Verwandtschaft. So erbeuten Wegwespen ausschließlich Spinnen, welche durch einen Stich gelähmt, in selbstgegrabene Gänge gezogen und dort mit einem Ei versehen werden. Die Spinne wird dann von der heranwachsenden Larve ausgesaugt. Der Nahrungsvorrat ist so bemessen, dass die vollständige Entwicklung der Nachkommen gesichert ist.

Andere Arten wie Grab-, Kot-, Lehm- und Sandwespen leben in ähnlicher Weise, nur besteht ihr Nahrungsspektrum z.B. aus Käferlarven, Schmetterlingsraupen, Bienen u.a. Gold- und Keulenwespen oder die zu den Schmalbauchwespen zählenden Gichtwespen (siehe Foto) schmuggeln ihre Eier in die Brutzellen von Wildbienen. Die Larven vertilgen dann die Bienenlarven.
Eine andere große Gruppe, Schlupfwespen, legt ihre Eier in lebende Entwicklungsformen (Larven, Puppen) anderer Insekten. Die befallenen Insektenlarven werden dann bei lebendigem Leibe von den heranwachsenden Wespenlarven aufgefressen und sterben erst vor der Verpuppung des Parasiten ab. Aus der leeren Hülle schlüpft dann nach der Puppenruhe eine neue Wespe. Doch auch die Schlupfwespen sind keinesfalls sicher, denn sie werden ihrerseits durch die meist winzigen Erzwespen parasitiert. Die Lebensweise der parasitisch lebenden Wespen ist so vielseitig und gleichzeitig faszinierend, dass ihre Beschreibung Bände füllen könnte. Einige dieser Arten werden auch zur biologischen Schädlingsbekämpfung besonders in Gewächshäusern eingesetzt. Als Vollinsekt ernähren sie sich vielfach von Honigtau sowie Nektar und Pollen der Blütenpflanzen.
Alle diese parasitierenden Wespenarten sind wichtige Regulatoren im Artenspektrum der Natur. In einem intakten Lebensraum leisten sie einen großen Beitrag dafür, dass es nicht zu Massenvermehrungen einzelner Insektenarten kommt.
Ein naturnaher Garten oder Teil des Gartens kann dazu beitragen, dass einige dieser interessanten und im Naturhaushalt wichtigen Arten ausreichende Lebensbedingungen vorfinden.

Eike Hagenguth