08/2006 Wespe ist nicht gleich Wespe

Hier soll nur die Rede von sozialen Faltenwespen sein, zu denen auch jene schwarzgelben Gesellen gehören, die an unserem Zwetschgenkuchen naschen und an süßen Getränken schlecken. Ihr aus abgenagten Holz und Speichelsekret hergestelltes Nest existiert nur einen Sommer lang und die hauptsächlichste Nahrung sind erbeutete Insekten. August und September ist Wespenzeit. Bei Behörden und Feuerwehr klingeln jetzt wieder die Telefone, weil sich viele Bürger von den aufdringlichen Insekten belästigt fühlen. Diese Belästigungen gehen aber in der Regel auf die schlechten Manieren von zwei Wespenarten, nämlich der Gemeinen Wespe und der Deutschen Wespe zurück. Sie können Volksstärken von über 5.000 Tieren erreichen. Ihre oft gewaltigen Nester legen sie unter der Erde (Gem. Wespe) oder in Speichern, Rollladenkästen u. ä. (Deutsche Wespe) an.

Außer diesen zwei Wespenarten leben auch noch einige andere unter uns, die nicht in diesen Mengen unterwegs sind, aber bessere Manieren haben. Zu diesen friedlichen und auch selteneren Arten zählt die Mittlere Wespe, die ihr verkehrt birnenförmiges, kindskopfgroßes Nest in Sträuchern oder Bäumen errichtet (siehe Foto). Die Tiere erreichen fast die Größe der Hornisse. Als weitere Art lebt die Sächsische Wespe bei uns. Sie errichtet ihr Nest, das in der Form dem der Mittleren Wespe ähnelt, aber kleiner ausfällt, ausschließlich in trockenen Bereichen, also in Speichern, Schuppen u.ä. Zwei weitere Arten, die Rote Wespe und die Waldwespe sind so selten zu beobachten und ihre Nester von geringer Größe bzw. auch unterirdisch angelegt, dass sie so gut wie nie in Erscheinung treten. Eher können wir noch den ebenfalls seltenen und nur in geringer Zahl auftretenden relativ friedlichen zwei Feldwespenarten begegnen. Beide Arten bauen hüllenlose aus einer Wabenscheibe bestehende Nester. Die Heide- Feldwespe heftet ihre meist nicht größer als 5cm Durchmesser große Wabe an dürre Pflanzenstängel in blütenreichen Wiesen. Nicht wenige werden hier bei der Wiesenmahd vernichtet. Die Gallische Feldwespe heftet ihre etwa doppelt so groß werdende Wabenscheibe an der Unterseite von Vorsprüngen in Garten oder Mülltonnenhäuschen oder ähnlichen trockene Stellen an.
Unser Tipp deshalb: Bevor Sie versuchen, sich der Wespen mit allerlei Hausrezepten zu entledigen, denken Sie daran, dass alle Wespenarten gesetzlich geschützt sind und dass Sie vielleicht eine der zuvor genannten friedlichen und seltenen Arten vernichten. Wer meint, ein Wespenproblem zu haben, der sollte sich hierzu auch die Information der Gemeindeverwaltung (ebenfalls in den Kyberg-Nachrichten 08/2006) ansehen.
Ausführliches Wissen über Wespen finden Sie beispielsweise auch in der Broschüre „Bienen, Hummeln, Wespen in Garten und Landschaft“, Obst und Gartenbauverlag München.

Eike Hagenguth