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06/2021 Ein Brauner Bär?

Wer denkt dabei nicht gleich an ein großes, wildes Tier, das durch die Wälder pirscht und gerne an Honig nascht?
Doch dieser Braune Bär ist kein Tier, vor dem man sich ängstigen müsste – es handelt sich um einen Schmetterling. „Arctia caja“ (sein lateinischer Name) wurde vom BUND zum Schmetterling des Jahres 2021 auserkoren. Er steht auf der Vorwarnliste der gefährdeten Tierarten in Deutschland.
Da dieser wunderschöne Falter nachtaktiv ist, bekommt man ihn leider selten zu Gesicht. Über die dunkelbraunen Vorderflügel mäandert ein weißes Band und auf den leuchtend roten Hinterflügeln befinden sich blauschwarze, glänzende Flecken. Vor dieser „gefährlich“ aussehenden Farbkombination schreckt jeder Fressfeind zurück. Weil er ja tagsüber schläft und dabei häufig an Baumstämmen oder Blättern sitzt, die wiederum oft von Meisen oder Kleibern zur Nahrungssuche besucht werden, wendet dieser Schmetterling zum eigenen Schutz eine raffinierte Technik an. In dem Moment, wo sich ihm ein Fressfeind nähert, öffnet er blitzschnell seine Vorderflügel, der verdutzte Vogel erblickt die roten Hinterflügel, die „Gefahr“ bedeuten, und nimmt Reißaus.
Mit diesem Trick hat der Braune Bär seit Jahrtausenden überlebt. Was seiner Population jedoch zusetzt, sind die nachts hellleuchtenden Straßenlaternen und die leider immer beliebter werdenden, nachts beleuchtenden Gärten. Der Schmetterling wird vom Licht magisch angezogen, prallt – völlig geblendet – gegen die Lampe, stürzt zu Boden und wird dann gerne von Igeln, Katzen oder anderen kleinen Nagern gefressen.
Der Lebensraum dieses wunderschönen Schmetterlings sind feuchte Stellen an Flüssen, Bächen und Teichen mit ihrer typischen Flora. So liebt die Raupe z.B. die Salweide und das Echte Mädesüß, die eben an feuchten Stellen gedeihen, aber sie frisst auch Brennnessel-, Himbeer- und Brombeerblätter.
In einem Jahr entsteht nur eine Generation dieser Falter. Die ca. 1 cm großen Raupen überwintern gut verpuppt in einem feinen Gespinst aus Härchen bodennah an Stängeln. Der Braune Bär fliegt – je nach Wärme und Witterung – ab Mitte Juni bis September.

Inge Mebus