12/2019 Zu gut für die Tonne

„Zu gut für die Tonne!“ lautet der Titel der von der Bundesregierung im Jahr 2012 ins Leben gerufenen Informationskampagne gegen Lebensmittelverschwendung. Die Initiative soll das Bewusstsein und die Wertschätzung im Umgang mit Lebensmitteln entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Erzeuger bis zum Verbraucher steigern. Analog dem Ziel der Vereinten Nationen soll die Menge an Lebensmittelabfällen bis 2030 halbiert werden.

Insgesamt geht etwa ein Drittel der gesamten, weltweiten Jahresproduktion verloren oder wird entsorgt. Während in Entwicklungs- und Schwellenländern die klimatischen Bedingungen zusammen mit schlechter Transport- und Kühlinfrastruktur als Hauptursache zu nennen sind, sind in den Industrieländern die generelle Bereitstellung und das Einkaufen von zu großen Mengen, sowie das mangelnde Verständnis vom Mindesthaltbarkeitsdatum (siehe Umwelttipp 12/2018) die Hauptgründe für das Wegwerfen von genießbaren Lebensmitteln. In diesem Zusammenhang ist aber auch die häufig überzogene Verbrauchererwartung zu erwähnen: Ware hat zu jeder Zeit im Überfluss vorhanden zu sein. Ursächlich dafür ist sicher auch der Einfluss durch Medien und Marketing-Strategien, wodurch die Ansprüche der Konsumenten nach und nach perfektioniert wurden. So schafft es bei Obst und Gemüse ein Großteil der Ernte nicht bis in die Regale und nur ein kleiner Teil der aussortierten Produkte wird industriell weiterverarbeitet zu Konserven, Tierfutter, etc.

Gerade im Zuge der Klima- und Umweltdebatte scheint das Bewusstsein und die Wertschätzung für einen nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln zu wachsen. Eine von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in 2017 erhobene Studie zeigt jedoch auch, dass jüngere Lebensgemeinschaften tendenziell mehr noch verwertbare Lebensmittel wegwerfen als Haushalte mit älteren Personen.

Über die gesamte Lebensmittelversorgungskette landen deutschlandweit knapp zwölf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle jährlich in der Tonne:

Dabei entfallen über die Hälfte der weggeworfenen Lebensmittel auf Privathaushalte. Vor allem Obst und Gemüse, das uns nicht mehr appetitlich genug erscheint (34 %), gefolgt von Zubereitetem (16 %), Brot & Backwaren (14 %), Getränken (11 %), Milchprodukten (9 %), Fertigprodukten (7 %), Fleisch & Fisch (4 %) und 5 % Sonstigem landen in der Tonne (GfK Studie 2017).

Auf der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterhaltenen Internetplattform (www.zugutfuerdietonne.de) gibt es nützliches Wissen und praktische Tipps über den Umgang mit Lebensmitteln – vom Einkauf über die richtige Lagerung bis hin zur Verarbeitung in der Küche.

Dass bei vielen Initiativen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung der private Verbraucher im Mittelpunkt steht, ist insgesamt zu bemängeln. Auch bei Industrie, Handel, Gastronomie und Landwirtschaft ist noch viel Luft nach oben. Systeme auf der Basis von Freiwilligkeit reichen meist nicht aus. So ist z.B. in französischen Supermärkten das Wegwerfen von unverkauften, aber genießbaren Lebensmitteln mittlerweile gesetzlich untersagt.

Jeder noch so kleine Beitrag zum Schutz wertvoller Ressourcen wie Wasser, Energie und Boden zählt: Wer Lebensmittel wegwirft verschärft den Klimawandel.

Brigitte Nerl