03/2016 Ein Plädoyer gegen die Thujen-Hecke

Unter dem Titel „Ein Plädoyer für die Thujen-Hecke“ wurden in einem Artikel eines Parteiblattes im Januar 2016 die Vorzüge dieser oft verwendeten Heckenpflanze gepriesen und die Aufhebung eines Pflanzverbotes in der Örtlichen Bauvorschrift gefordert.

Tatsache ist, dass es trotz des Pflanzverbotes reichlich Thujen-Hecken in unserer Gemeinde gibt.
Die im Artikel genannten Eigenschaften einer Thujen-Hecke wie immergrün, luftfilternd, sauerstofferzeugend und lärmmindernd, sowie ihre Verwendung als Sicht- und Windschutz sollen nicht in Abrede gestellt werden.
Anmerkungen dazu halten wir jedoch für angebracht.
Die Thuja ist nicht immergrün, denn die Winterfärbung zeigt eher ein schmutziges Braun (siehe Foto). Der grüne Bereich am linken Bildrand besteht übrigens aus heimischen Eiben.
Einen großen Teil der aufgezählten positiven Eigenschaften erfüllen aber einheimische Heckenpflanzen auch und dafür andere, die die Thujen-Hecke nicht hat, je nach Art sind das Blüten, Samen, Früchte.
Jedoch hat die in der Regel aus Nordamerika stammende Thuja auch Nachteile, die hier genannt werden sollen.
Unser wichtigstes Argument gegen Thujen-Hecken: Sie sind zwar meistens grün und dicht, aber der Natur weitgehend abträglich. Heimischen Insekten und Vögeln bieten sie keine Nahrung.
Vögel ziehen Laubhecken als Nistplatz und Versteck vor, da ein Eindringen für sie in eine gut geschnittene Thujen-Hecke fast unmöglich ist.
Außerdem dringt durch die dichte Außenschicht kein nennenswerter Niederschlag zum Wurzelbereich der Hecke vor. So kann es in besonders trockenen heißen Jahren (wie dem vergangenen) zu Trockenschäden kommen.
Wegen Trockenheit und der schwer verrottbaren abgestorbenen Pflanzenteile der Thuja herrscht auch unter der Hecke Ödnis.
Regenwürmer oder die vielen laubzersetzenden Lebensformen und die davon lebenden Vögel oder Igel fehlen hier.
Bei der rasant fortschreitenden innerörtlichen Verdichtung sind die Nachteile aus unserer Sicht ein gewichtiger Grund, durch Verzicht auf Thujen noch eine bescheidene biologische Vielfalt zu erhalten.
Nicht zu vergessen ist der Pflegeaufwand: Im Gegensatz zu Laubhecken, die auch mal kräftig zurückgeschnitten werden können, erfordert die Thujen-Hecke einen regelmäßigen, exakten und möglichst zweimaligen Schnitt im Jahr. Auch der unangenehme Geruch, besonders während und nach dem Schnitt, kann ein Nachteil sein.

Einmal zu tief geschnitten, schon bleiben dauerhaft kahle Stellen zurück. Um diesem vorzubeugen, wird die Hecke oft nicht auf das nötige Maß zurückgeschnitten. Die Folge: Die Hecke wird immer breiter. Manche Gehwege sind durch ausufernde Thujen-Hecken nicht oder nur eingeschränkt passierbar. Wenn die ca. 60 cm in den Gehweg hineinreichende Hecke, wie auf dem ersten Foto zu sehen, bis zur Grundstücksgrenze zurückgeschnitten würde, bliebe, wie es das andere Foto zeigt, ein auf dieser Seite dauerhaft kahles Holzgerippe zurück.
Deshalb unser Tipp: Wer sich an der Natur vor der Haustür erfreuen möchte, wer den nicht unbeträchtlichen Pflegeaufwand und den Blick des Nachbarn und Straßenpassanten in den Garten (ohnehin nur im Winterhalbjahr) nicht scheut, der sollte besser eine Laubhecke pflanzen.

BUND Naturschutz Ortsgruppe Oberhaching