04/2008 Wildbienen: interessante Nachbarn - unentbehrliche Helfer

Neben den allseits bekannten Honigbienen und Hummeln gibt es in Deutschland ca. 500 Wildbienenarten. Sie erfüllen als Bestäuber von Blüten eine wichtige Rolle im Naturhaushalt. Besonders die im April und Mai fliegenden Arten können im begrenzten Maße dazu beitragen, die Blüten der Obstgehölze zu bestäuben. Ihre vielgestaltige Größe, Zeichnung und Lebensweise, aber auch ihre geringe Scheu und fehlende Aggression machen sie zu interessanten Beobachtungsobjekten. In ihrer Lebensweise verhalten sie sich so unterschiedlich, das hier nur ein grobes Bild davon gezeichnet werden kann. Besonders variabel ist die Nestbauweise, aber auch der Spezialisierungsgrad hinsichtlich der Nutzung des Blütenangebotes.
Ein Großteil der Wildbienenarten bevorzugt blütenreiche Wiesen, Wald- und Wegränder. Aber auch besiedelte Bereiche werden, wenn es ein ausreichendes Blütenangebot gibt, von etlichen Arten genutzt. Die weitaus meisten leben als sogenannte Einsiedler- oder Solitärbienen. Die Weibchen bauen in verschiedensten Hohlräumen - welche sie vorfinden, sich selbst graben oder ausnagen - ihr Nest, während die Männchen kurz nach der Begattung sterben. Je nach Art werden zwischen 10 und 30 Brutzellen, z.B. aus Lehm, Pflanzenwolle oder Blattstücken hergestellt. Diese wird mit einem Gemisch aus Nektar und Pollen belegt, mit einem Ei versehen und dann wird die Brutröhre mit unterschiedlichem Material verschlossen. Danach stirbt das Weibchen. In jeder Zelle entwickelt sich nach kurzer Zeit eine Larve. Diese frisst, wenn sie nicht Opfer der zahlreichen Schmarotzer wurde, den Zellinhalt leer und bleibt als Larve in der Zelle bis zur Verpuppung im kommenden Frühjahr. Je nach Art erfolgt von März bis Juli dann der Schlupf der fertigen Insekten. Nach der unmittelbar folgenden Verpaarung beginnen die Weibchen erneut mit der Suche nach einem geeigneten Platz zur Anlage ihrer Brutzellen. In der Regel werden dabei zumindest die in Totholz befindlichen Nistgänge nach gründlicher Reinigung wieder benutzt. Die Flugzeit der Wildbienen beginnt artabhängig im März und endet im September. Ein durchgängiges Angebot an blühenden Pflanzen sichert also vielen Arten ein Überleben. Welche Möglichkeiten es gibt, diese interessanten Tiere auch in unseren Gärten anzusiedeln und zu schützen, erfahren Sie in einem folgenden Beitrag.

Nebenstehendes Foto zeigt eine Wildbiene an einer künstlichen Nisthilfe. Wer mehr über diese interessanten Insekten erfahren will, der findet noch in der Gemeindebibliothek unter den Titeln „Bienen, Wespen, Ameisen“ und „Wildbienen, wehrhafte Blumenkinder“ entsprechende Literatur.

Eike Hagenguth