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Natur vor der Haustür

02/2026 Frühkartoffeln aus Ägypten?

Kartoffeln haben ihre Heimat in den Anden Südamerikas, wo sie schon früh kultiviert wurden und noch heute in zahlreichen Wildformen vorkommen. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Kartoffel von spanischen Eroberern „entdeckt“, gelangte zunächst nach Spanien und wurde von dort über ganz Europa verbreitet. Es dauerte allerdings noch fast 200 Jahre, bis die Kartoffel wirtschaftliche Bedeutung erlangte.

In Deutschland werden heutzutage rund 50% mehr Kartoffeln geerntet, als hier verbraucht werden. Dennoch werden, vorwiegend in den Monaten März bis Juli, Kartoffeln aus Ägypten als „Frühkartoffeln“ angeboten. 

Dabei gehört Ägypten zu den niederschlagsärmsten Ländern Nordafrikas und für den Kartoffelanbau wird sehr viel Wasser benötigt. Im Land wird zwischen zwei unterschiedlichen Anbauzonen unterschieden: Zum einen wachsen die Kartoffeln in den fruchtbaren Böden entlang des Nils und werden über dessen Nebenkanäle bewässert. Die Hauptanteile der Anbauflächen, und der für den Export bestimmten Kartoffeln, liegen jedoch am Rande des Nildeltas und im Süden, nahe der sudanischen Grenze. Das hier benötigte Bewässerungswasser wird hunderte Meter tief aus dem Tiefengrundwasser gefördert. Sprudeln die Quellen nicht mehr, werden die Felder einfach verlegt. Das Wasser ist aber für immer weg. In der Nähe des Mittelmeeres wird das Grundwasser derart intensiv genutzt, dass nach und nach Meerwasser eindringt. Für die dort lebenden Menschen wird dieses Grundwasser schon mittelfristig nicht mehr nutzbar sein.

Aus ökologischer und nachhaltiger Sicht ist die Verwendung solcher Kartoffeln eher fragwürdig. Dabei haben auch gut gelagerte heimische Erdäpfel einen sehr guten und sortenspezifisch abwechslungsreichen Geschmack. Laut dem Bayerischen Bauernverband stehen geschmacklich markante und aromatische Lagerkartoffeln aus dem Vorjahr auch im Frühjahr in ausreichender Menge bereit.

Kartoffeln sind, nach Getreide, unser zweitwichtigstes Grundnahrungsmittel. Wenn sie nicht gerade mit viel Fett zubereitet werden, sind sie sehr nahrhaft und gesund. Neben der Stärke als kalorienlieferndem Inhaltsstoff sind Kartoffeln eine biologisch hochwertige Eiweißquelle. Essentielle Aminosäuren kommen in einem dem menschlichen Eiweiß nahekommenden Verhältnis vor. Regionale Kartoffeln zu verwenden ist bestimmt eine ökologisch und kulinarisch gute Entscheidung.

Rainer Warmke