01/2018 Der Star – Vogel des Jahres 2018

In den verschiedenen Medien wurde in letzter Zeit sehr viel über den rasant fortschreitenden Artenschwund berichtet. Diese negative Entwicklung hat leider auch nicht vor dem „Allerweltsvogel“ – dem Star – halt gemacht. Mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2018 möchte man auf den schleichenden Rückgang des bisher häufigen Vogels aufmerksam machen. Der deutschlandweite rückläufige Bestand machte es erforderlich, den Star von „ungefährdet“ auf „gefährdet“ hochzustufen (in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands). Obwohl der Bestand in Bayern derzeit noch relativ stabil ist, verschlechtern sich auch hier die Nahrungs- und Brutbedingungen schleichend. Daher sollten wir nicht abwarten, bis der Star auch bei uns als gefährdet eingestuft werden muss.

Obwohl den Star viele Bürger recht gut kennen, gibt es immer wieder Zweifel, wenn dieser im Laufe des Jahres im Garten auftaucht. Dies liegt daran, dass sich der Vogel übers Jahr in einem unterschiedlichen Federkleid zeigt. Im Frühjahr (zur Balzzeit) präsentiert sich der Star in seinem Prachtkleid, wobei das Gefieder je nach Lichteinfall metallisch schwarz, bronzegrün, purpurfarben glänzt und wenige weiße Punkte aufweist. Die Jungvögel dagegen haben zuerst ein braunes Gefieder. Im Spätsommer mausern sich die Vögel und wechseln ihr Pracht-/Sommer-/Jugend-Kleid in ein einheitliches Schlichtkleid. Dieses Gefieder ist mit vielen weißen Punkten übersät, daher bezeichnet man den Vogel in dieser Zeit auch als Perlstar. Wer den Star einmal im Frühjahr und dann wieder im Herbst betrachtet, könnte meinen, zwei verschiedene Vogelarten gesehen zu haben.

Männchen und Weibchen lassen sich beim Star kaum unterscheiden, denn sie sehen nahezu gleich aus. Im Frühjahr – also zur Balzzeit – sitzt das Männchen oft auf einem hohen Ansitz oder am Starenkasten, flattert aufgeregt mit den Flügeln und schmettert eine abwechslungsreiche Reihe von pfeifenden, zischenden, gepressten und schnalzenden Tönen. Darüber hinaus besticht er aber auch als wahrer Imitationskünstler, denn er kann problemlos sehr viele andere Vogelstimmen imitieren und sogar Umgebungsgeräusche in seinen Gesang einstreuen (z.B. Handy-Klingeltöne, Alarmanlagen oder auch Hundegebell).

Stare sind Zugvögel und überwintern hauptsächlich in Süd- und Westeuropa. Derzeit sind jedoch Änderungen im Zugverhalten festzustellen, denn immer mehr Vögel überwintern in klimatisch günstigen Lagen in Deutschland (vor allem im Südwesten) oder in Städten. Dieses veränderte Verhalten wird nach heutigen Erkenntnissen durch den fortschreitenden Klimawandel ausgelöst.
Im Herbst, bevor die Stare gemeinsam in ihre Winterquartiere ziehen, bilden sie teilweise recht große Schwärme. Bei uns am Ort kann man – wenn man Glück hat – schon mal einen Schwarm von 1.000 bis 2.000 Vögel beobachten. Das ist allerdings Garnichts, wenn man dies mit dem in Deutschland größten registrierten Schwarm aus über 200.000 oder der sagenhaften Anzahl von mehr als einer Million Vögel in anderen Ländern vergleicht. In der Zugzeit kann man das einzigartige Naturschauspiel der imposanten Schwarmwolken am Himmel beobachten. Faszinierend und atemberaubend hierbei ist die unglaubliche Schwarmintelligenz, d.h. die perfekt aufeinander abgestimmten wellenförmigen Schwarmformationen (Synchronisation) in den Lüften.

Gründe für den Rückgang des Stars gibt es sehr viele. Wie andere Vogelarten auch, leidet der Star unter der Verschlechterung seines Lebensraums und damit der stetigen Dezimierung des Nahrungsangebots. Die Nahrung ist abhängig von der Jahreszeit, denn im Frühjahr stehen Kleintiere aus dem Boden und Insekten auf dem Speiseplan, danach auch Früchte und Beeren. Da Stare Höhlenbrüter sind und es immer weniger alte Bäume mit Bruthöhlen gibt, fehlt es aber auch an geeigneten Nistplätzen.

Wie können Sie dem Star helfen?
Stare brüten gerne in Siedlungen mit Nistmöglichkeiten und einem geeigneten Nahrungsangebot. Jeder Garten- oder Hausbesitzer kann die Wohnungsnot der Stare durch die Anbringung von Starenkästen mildern.
Natürlich gibt es fertige Starenkästen in allen Gartencentern und Baumärkten zu kaufen. Empfehlenswert ist es jedoch, Kästen am Ort bei der Firma Walleitner zu kaufen, denn diese werden in einer Behindertenwerkstätte gefertigt. Eine weitere Möglichkeit ist, die Kästen selbst zu zimmern, wozu es im Internet genügend Bauanleitungen gibt. Die fertigen Kästen kann man an einer Hauswand, an Stangen im Garten oder in Bäumen aufhängen, wobei eine Höhe von min. 3 Meter zu empfehlen ist. Da Stare gerne in Gesellschaft brüten, wird auch angeraten, mehrere Kästen in einer kleinen Kolonie aufzuhängen.
Mit der Bereitstellung von Nistmöglichkeiten ist es aber nicht getan, denn auch das Nahrungsangebot in der Nähe der Nistplätze sollte entsprechend gut sein. Grundsätzlich sollte ein naturnaher Garten vorhanden sein, indem natürlich keine Pflanzen- und Insekten-Schutzmittel eingesetzt werden. Aber auch Beeren tragende Gehölze, wie Vogel- und Holunderbeere, Felsenbirne, Kornel- und Vogelkirsche und Wildäpfel werden empfohlen. Ein naturnaher Garten bietet natürlich nicht nur dem Star die erforderliche Lebensgrundlage, sondern vielen Pflanzen und Insekten die für eine „lebendige Natur“ sorgen.

Einen großen Beitrag für eine intakte Natur können Sie aber auch durch den Einkauf von möglichst regionalen Biolebensmitteln leisten. Diese stammen aus einer artenreichen Agrarlandschaft, die die erforderlichen Lebensräume – nicht nur für den Star – aufweist.

Hans Jakob