02/2015 Eulen, unsere heimlichen Mitgeschöpfe

Schon immer haben Eulen die Menschen fasziniert. Sie wurden bewundert und verehrt. Sie gelten als Träger der Weisheit obwohl sie dabei von anderen Vogelfamilien übertroffen werden. Sie prägen die Rückseite der griechischen Euromünzen, sie sind auch das Logo des Oberhachinger Gymnasiums. Besonders in früheren Zeiten waren Eulen auch als Unglücksbringer und Totenvögel verrufen und wurden besonders in ländlichen Gegenden gnadenlos verfolgt. Besonders hart hat es den Uhu getroffen. Mitte des letzten Jahrhunderts gab es in weiten Teilen Deutschlands keine Uhus mehr. Erst durch Artenhilfsprogramme konnte sich der Bestand wieder erholen.
Als regelmäßige Brutvögel gibt es in Deutschland neun, in Bayern acht Eulenarten. Was haben die Eulen, dass sie uns so faszinieren oder von uns gefürchtet werden? Vermutlich die starr nach vorn gerichteten Augen, die nächtliche heimliche Lebensweise, der geräuschlose Flug und die „unheimlichen“ Rufe. Vor allem der noch häufige Waldkauz ist es, dessen Geheul in nächtlichen Szenen mancher Fernsehkrimis die Spannung erhöhen soll.
Wie steht es nun um unsere Eulen? Die meisten Arten finden sich leider in der Roten Liste gefährdeter Tiere Bayerns wieder. Obwohl die Verfolgung durch uns Menschen heute keine nennenswerte Rolle mehr spielt, ist die Bestandsentwicklung vieler Arten negativ. In besonderem Maße sind die auf Mäuse spezialisierten Arten bedroht. Die intensive Landwirtschaft, besonders aber der Umbruch der Wiesen hat Feld- und Wühlmäusen und damit auch den Eulen die Nahrungsgrundlage entzogen. Verkehr, Stacheldrahtzäune, Hochspannungsleitungen (insbesondere für Uhu) aber auch schneereiche harte Winter tragen außerdem zur Reduzierung der Eulen bei. Mancherorts ist es auch der Mangel an Brutmöglichkeiten für höhlenbrütende Arten.
Wie schaut es nun mit dem Eulenbestand in unserer Umgebung aus? In den umliegenden Forsten brüten vier Arten, nämlich Wald-, Raufuß- und Sperlingskauz sowie die Waldohreule und im nicht weit entfernten Isartal auch noch der Uhu. Durch vom BUND Naturschutz angebrachte künstliche Bruthöhlen konnte wenigstens dem seltenen Raufußkauz (siehe Foto) geholfen werden.

Wer nun unsere heimischen Eulenarten live erleben möchte, sollte eine halbe Stunde vor, bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang einen Waldspaziergang unternehmen. Die beste Jahreszeit dazu ist der Februar und der März. In dieser Zeit – an milden Tagen auch schon im Januar – ist die Balzzeit, in der die Männchen mit ihren Rufen auf sich aufmerksam machen. Voraussetzung, aber nicht Garantie für einen Erfolg, ist eine möglichst windstille, niederschlagsfreie, helle und milde Nacht. Bei optimalen Verhältnissen und guten Ohren sind Waldohreule, Raufuß- und Sperlingskauz 600 bis 800 m, Waldkauz und Uhu bis 1500 m weit zu hören. Bereits vor Sonnenuntergang beginnt der Sperlingskauz als Erster zu rufen, um spätestens bei Einbruch der Dunkelheit bereits wieder zu verstummen. Ab Sonnenuntergang werden dann auch unsere anderen Eulen munter und beginnen mit ihren Rufen, die auch noch zwei bis drei Stunden später zu hören sein können.
Unser Tipp deshalb: Unternehmen Sie mal eine spätabendliche Wanderung. Sie werden – vorausgesetzt Sie gehen allein oder reduzieren Ihre Gespräche mit Begleitpersonen auf das Nötigste – manche unbekannten und auch unheimlichen Geräusche vernehmen, denn außer Eulen sind nachts auch andere Tiere unterwegs. Die Taschenlampe sollte besser in der Tasche bleiben. Sie werden feststellen, dass man ohne den umherschweifenden Lichtkegel auch im Dunkeln ganz gut sehen kann und auch die Ohren besser funktionieren.

Eike Hagenguth